Montag, 7. Dezember 2015

Rezension | "Wunder einer Winternacht" von Marko Leino

Rowohlt | Taschenbuch | 288 Seiten | 2. November 2009 | 978-3499248467
Originaltitel: Joulutarina (2007)

Inhalt (Quelle: Amazon.de)
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Die wahre Geschichte vom Weihnachtsmann
Hoch oben im Norden lebt der kleine Nikolas. Als er durch einen tragischen Unfall zur Waise wird, nimmt das ganze Dorf sich seiner an. Ein Jahr lang darf Nikolas bei jeder Familie bleiben. Wenn der Weihnachtsabend naht, muss er weiterziehen. Voller Dankbarkeit schnitzt Nikolas Jahr für Jahr Geschenke für «seine» Familie. Als er zum bösartigen Tischlermeister Lisakki in die Lehre kommt, scheint sein Glück vorbei. Der bärbeißige alte Mann hasst Kinder ...

Der Autor (Quelle: Amazon.de)
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Marko Leino wurde 1967 in Helsinki geboren, wo er auch heute noch lebt und schreibt. Er ist Schriftsteller und Drehbuchautor. „Wunder einer Winternacht“ ist der größte finnische Kinoerfolg aller Zeiten. Hundertausende ließen sich zu Tränen rühren.

Meinung
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Dieses Buch war ein absoluter Glücksgriff.

Obwohl die Geschichte sehr traurig beginnt und immer wieder kleine, emotionale "Tiefpunkte" folgen, ist diese Weihnachtsgeschichte kein Buch, das traurig oder trübsinnig macht. Es geht viel mehr um die Hoffnung und wie man lernt, mit dem Schmerz zu leben, ohne daran zu zerbrechen. Natürlich ist dies nicht leicht, aber Nikolas schafft es immer wieder, sein Schicksal zu schultern, ohne endgültig den Mut zu verlieren.
Generell ist die ganze Geschichte sehr "leicht". Nicht von der Thematik; nicht nur die Trauer und das Verarbeiten von Verlusten, sondern auch wahre Freundschaft, Einsamkeit und die Freude am Geben und Nehmen wird aufgearbeitet und dem Leser ganz nebenbei näher gebracht - so nahe, dass bei mir mehr als einmal die Tränen kullerten. Viel eher ist es die Art, wie die Geschichte geschrieben ist. Zum einen schreibt Leino sehr bildhaft. Gleich zu Beginn ist man in der Geschichte gefangen, glaubt, Nikolas und seine Familie in ihrer bescheidenen Hütte zu sehen. Man steht vor der gefrorenen See, streift durch das verarmte Dorf, begleitet Nikolas in die Abgeschiedenheit. Die ganze Zeit ist alles mit recht wenigen Worten so gut beschrieben, dass ich - obwohl ich nie in Finnland war - alles vor mir sehen konnte.
Auch die einzelnen Figuren schildert der Autor sehr gut. Selbst Nebenfiguren, die nur kurz auftreten, haben einen eigenen Charakter und können Sympathie gewinnen. Besonders intensiv lebt man aber natürlich mit dem Protagonisten mit: Nikolas, der später zum Weihnachtsmann wird. Wir begleiten ihn von seinem fünften Lebensjahr bis über den Tod hinaus und erfahren alles über ihn. Obwohl er eigentlich nur ein kleiner Junge ist, zeigt er schon früh, wie viel in ihm steckt: er liebte es, auf seine Schwester aufzupassen, und beschenkt mit Freuden andere Kinder aus seiner neuen Heimat, ohne selbst ein Geschenk einzufordern. Da erscheint es nur natürlich, dass er irgendwann auch anderen Kindern Geschenke zukommen lassen möchte...

Die Entwicklung zum Weihnachtsmann geschieht nicht von heute auf morgen und dies zeigt Leino sehr gut. Es waren harte Schicksalsschläge, Verluste, nötig, um Nikolas zu dem werden zu lassen, der er heute ist. Er musste sehr viel einstecken, doch immer hat der Drang, andere zu beschenken und sie glücklich zu machen, gewonnen. Diese Botschaft finde ich sehr schön.

Ein wenig gestört haben mich die großen Zeitsprünge, die etwas knapp abgehandelt wurden. In wenigen Sätzen überspringen wir Jahre in Nikolas' Leben. Andererseits war dieser Kniff des Autors aber vermutlich genau richtig: er beschränkt sich auf die wesentlichen Stationen, ohne dabei jedoch etwas aus dem Leben seines Protagonisten zu überspringen. Eine kurze Zusammenfassung von recht ereignislosen Jahren reicht auch aus, ich finde einfach, es hätte anders gestaltet werden können.

Sehr gut gefallen hat mir, dass die Kapitel in diesem Buch "Türchen" genannt wurden. Da der Großvater zweier Jungen, der ihnen eigentlich diese Geschichte erzählt, verraten hat, dass er die Geschichte als eine Art Adventskalender erzählt bekam, passte dies sehr gut. Leider geht dann die Kapiteleinteilung nicht ganz auf, da Türchen 24 sich nicht mehr mit Nikolas beschäftigt.

Fazit
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"Wunder einer Winternacht" ist eine bezaubernde Weihnachtsgeschichte, die zu Tränen rührt, aber auch ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Ich kann sie jedem empfehlen und habe vor, sie zur Weihnachtszeit wieder zu lesen.
★★★★ 5/5 Sterne

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Leseprobe
Trailer zum Film
Profil des Autors

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Diese Rezension wurde ursprünglich am 9. August 2013 hier veröffentlicht.

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