Samstag, 18. März 2017

Rezension | "Und jetzt lass uns tanzen" von Karine Lambert

Diana | Hardcover | 224 Seiten | 6. März 2017 | 978-3453291911
 
"Sie ist für immer und ewig gegangen, er ist jeden Morgen aufgestanden und hat weitergeatmet. Er ist nicht daran gestorben, dass er sie überlebt hat." // Seite 95

 
Beinahe wären sie einander nie begegnet: Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Ehepartner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen Marguerite und Marcel aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?

 
Und jetzt lass uns tanzen ist ein Buch, das mich schon direkt und von Anfang an überrascht hat. Der Klappentext spricht zwar von langjänhrigen Ehepartnern, doch trotzdem hätte ich die beiden Hauptprotagonisten eher um die 50 geschätzt, als um die 70. Natürlich habe ich mich dann auf eine komplett andere Geschichte und eine andere Sicht einstellen müssen, was mich allerdings nicht wirklich gestört hat. Ich wusste schließlich, dass mich da ein tolles Buch erwartet ;)

Womit ich ebenfalls nicht gerechnet habe, ist der Pageturner-Effekt, der dieses Buch bei mir ausgelöst hat. Zugegeben habe ich in der letzten Woche nicht allzu viel gelesen und daher 2 1/2 Tage für das kurze Buch gebraucht, aber die Charaktere, der Plot und der Schreibstil haben mich vollständig eingenommen. Die Geschichte an sich ist wunderschön erzählt und hat in mir sehr unterschiedliche Gefühle ausgelöst. Die ersten paar Seiten, die den Tod der beiden Ehepartner aufarbeiten, fand ich sehr traurig, denn ich habe den Schmerz der beiden Hauptprotagonisten durch das Buch hindurch eindeutig wahrgenommen. Ich habe sehr mit beiden mitgelitten, obwohl der eine ein wenig besser damit umgehen konnte, während es den anderen sehr lange zu beschäftigen scheint. Aber ich habe auch viel geschmunzelt und mich für beide sehr gefreut, als sie sich kennenlernen und fast sofort aneinander Interesse bekunden.

Maguy und Marcel mochte ich beide ab der ersten Seite. Sie sind zwei typische alte Menschen: klagen über ihre Wehwehchen, sitzen dauernd beim Arzt, reden mit fremden Leuten zuerst über ihre Kinder und fragen sich, was sie mit ihrem Leben noch anfangen können. Aber gerade deshalb sind mir beide ans Herz gewachsen, gerade deshalb haben mir beide so gut gefallen; auch in ihrem Umgang miteinander. Maguy hat mich sehr an meine eigene Oma erinnert, weshalb ich mich sofort mit ihr verbunden gefühlt habe.

Während ich ohne Probleme warm mit den beiden Hauptfiguren wurde, gab es noch andere Charaktere, beispielsweise die Kinder von Maguy und Marcel, die mir überhaupt nicht gefallen haben und deren (anfängliche) Missgunst und Abneigung für mich auch völlig fehl am Platz waren. Klar, beide Familien trauern noch um das verlorene Familienmitglied und man möchte sein verbliebenes Elternteil so "kurz" nach dem Tod des Ehepartners nicht unbedingt mit einem neuen Menschen zusammen sehen, doch Marcel und Maguy sind sehr glücklich miteinander und tun sich gut. Sie passen auf einander auf und geben sich gegenseitig einen Sinn.

Der Schreibstil der Autorin ist meiner Meinung nach etwas anspruchsvoll. Er lässt sich zwar leicht lesen, ohne große Stolpersteine, aber die Wortwahl und die verschiedenen Metaphern sowie Vergleiche waren schon sehr poetisch, tiefsinnig und eindrucksvoll. Ich habe mir mehrere Zitate notiert, die mich nicht losgelassen haben. Dadurch hat mich die Geschichte nur noch mehr berührt und nachdenklich zurückgelassen – vor allem das Ende. Schließlich bekommt man im Leben nicht ständig eine zweite Chance.

Auch das Cover verdient großes Lob. Die Gestaltung hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen und zusammen mit dem Klappentext und dem Titel des Buches hat mich die äußere Optik und das "oberflächliche" Paket direkt überzeugt; ein Buch, das alleine deswegen sicher schon in Erinnerung bleibt.

Und jetzt lass uns tanzen ist ein wunder-, wunderschönes Buch, das nicht nur "Ja" zum Leben und zur Liebe sagt, sondern auch zeigt, wie wertvoll letzteres ist; dass es niemals zu spät ist und dass sich uns auch im hohen Alter Chancen bieten, die man ergreifen sollte. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen; ein paar mehr Seiten hätte ich mir jedoch gewünscht, um die Beziehung von Maguy und Marcel noch reifen zu sehen.


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Vielen Dank an die Verlagsgruppe Random House für das Rezensionsexemplar.
 Habt ihr Und jetzt lass uns tanzen schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch ein schönes Restwochenende!


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Das Urheberrecht des Klappentextes unterliegt der Verlagsgruppe Random House.
Das Urheberrecht des Titelbilds unterliegt einzig und allein der Blogredaktion.

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