Samstag, 19. August 2017

Rezension | "I kissed the boss" von Katrin Frank

Forever | eBook | 250 Seiten | 7. August 2017 | 978-3-95818-206-6

"Leos Anziehung, die mich in den Abgrund treibt, ist surreal. Ich kann sie nicht erklären. Marcel ist mein sicherer Hafen, Leo hingegen ist alles andere." // circa 19,5 Prozent


Was würdest du tun, wenn du auf einer Firmenfeier feststellst, dass dein neuer Boss deine Jugendliebe ist? Sina steht genau vor diesem Problem. Noch dazu ist ihr Exfreund Leo ein echter Bad Boy und macht ihr das Leben in der Firma zur Hölle. Trotzdem fühlt sich Sina auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen und ihrem Pflichtbewusstsein. Schließlich ist sie schon seit Jahren glücklich vergeben. Soll sie ihren Job kündigen? Oder gibt es vielleicht doch noch einen anderen Ausweg?

 
 » Spoiler können bei dieser Rezension leider nicht ausgeschlossen werden! «
Ich hatte hohe Erwartungen an I kissed the boss. Aus irgendeinem Grund hatte mich der Klappentext sofort gepackt und ich wollte unbedingt wissen, wie Sina mit dieser Situation umgeht, wie sie ihren Job meistern wird und was aus ihrem langjährigem Freund wird. Die Plotidee hat sich gut angehört. Leider war die Umsetzung nichts für mich.

Angefangen hat das schon mit dem Einstieg in das Buch. Ich weiß, dass es nicht unüblich ist, dass man den Prolog am Anfang nicht unbedingt versteht und viele Dinge erst viel klarer werden, wenn man in der Geschichte weiter fortgeschritten ist, aber für mich ergaben die Dialoge und der Einstieg einfach überhaupt keinen Sinn. Die ersten Kapitel sind einfach so runtergeschrieben, es gibt Sprünge und ich wusste lange Zeit mit der Geschichte einfach überhaupt nichts anzufangen; geschweige denn mit den Charakteren. Es wirkt anfangs alles so abgehakt und ich habe einige Zeit gebraucht, um zu begreifen, dass es eigentlich nur eine Art Vorgeschichte ist, eine Art Fundament für den Plot, der noch kommen soll: nämlich, wie Sina einen anderen Mann heiratet, sich aber trotzdem mit Leo trifft und wie die beiden dann mit der Zeit langsam auseinanderdriften. Es gibt mehrere Zeitsprünge, die mich verwirrt haben und auch Sinas Verhalten fand ich dort nicht immer nachvollziehbar, so dass mir der Einstieg (und das sind die ersten sechs Kapitel) sehr schwer gefallen ist.

Nachdem ich die erste Hürde des Einstiegs überwunden hatte, habe ich wirklich versucht, mich auf die Geschichte einzulassen. Allgemein genommen kann ich nicht sagen, dass mich die Geschichte gelangweilt hat oder dass ich sie nicht gut umgesetzt fand: im Großen und Ganzen wirkt sie doch sehr realitätsnah und authentisch. Gestört hat mich allerdings der Aspekt, dass Sina verheiratet ist. Das wurde im Klappentext nicht deutlich und wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hätte ich dieses Buch wohl auch nicht gelesen, denn solche Affären-Geschichten sind einfach nichts für mich. Selbst wenn die Geschichte gut geschrieben ist und die Charaktere sympathisch, ist es bei mir immer ein Punkt, der mich dazu bringt, denjenigen, der in der Story verheiratet ist, vorzuverurteilen. Ein Charakter hat alleine deswegen immer schon einen schlechten Stand bei mir, weswegen ich es meist vermeide, zu solchen Büchern überhaupt zu greifen.

Ich denke, das war auch ein Grund, warum ich nie so wirklich mit Sina warm geworden bin. Klar, sie ist eine sympathische, junge, ambitionierte Frau und ihr Auftreten bringt schon Pluspunkte ein. Ich habe mich auch ein wenig mit ihr verbunden gefühlt, weil ich in der gleichen Branche/in den gleichen Branchen arbeite und weiß, wie schwierig und stressig ein Grafik- & Marketingjob ist. Ich denke, ich hätte sie wirklich gerne haben können, aber die Tatsache, dass sie sich schon im ersten Jahr mit ihrer Jugendliebe trifft und daraus vor ihrem Mann ein Geheimnis macht, hat ehrlich gesagt bei mir schon gleich dazu geführt, dass ich sie nicht mochte. Ich habe sie zwar verstanden, ihr Gefühlschaos konnte ich nachvollziehen, aber mit ihr mitfühlen konnte ich da leider absolut gar nicht. Ich bin immer für Ehrlichkeit und Sina geht da meiner Meinung nach mehr als einmal um Längen zu weit. Ich weiß wie das Leben läuft, ich weiß, dass man sich auch in andere verlieben kann, selbst wenn man verheiratet oder in einer Beziehung ist, Ehen gehen in die Brüche, Partner werden betrogen. So ist das Leben, es ist alltäglich. Aber genau deswegen brauche ich sowas ehrlich gesagt nicht in Büchern, nicht in Welten, in die ich mich zurückziehen möchte, um eben jenem Alltag zu entgehen.

Nachdem ich Sina eigentlich schon relativ frühzeitig abgeschrieben habe, hatte ich auf Leo gesetzt. Allerdings habe ich auch zu ihm nicht wirklich eine Beziehung aufbauen können. Er ist heiß, geheimnisvoll, selbstbewusst – mir persönlich allerdings viel zu arrogant und auch viel zu forsch. Er provoziert Sina, bringt sie in missliche Lagen, zieht dann aber immer wieder den Schwanz ein. Dann haut er ab, kommt wieder zurück, lässt die Finger von Sina, dann wieder nicht. Er schläft dauernd mit den verschiedensten Frauen und tut Sina damit weh, obwohl er mehrfach betont, dass er nie wirklich über sie hinweggekommen ist und sie die einzige Frau ist, die er liebt und je geliebt hat. Er sagt, er ist ihr Boss, geht dann aber in privaten Situation voll auf's Ganze. Sein Charakter war mir zu wankelmütig, als dass ich ihn hätte als authentisch wahrnehmen können.

Obwohl ich die Geschichte doch ganz nett fand und sie als schöne Lektüre für zwischendurch empfand, hat sie mich letztlich einfach nicht gepackt. Man merkt zwar die Spannung zwischen den beiden Hauptprotagonisten und es knistert gewaltig, aber dieses ewige Hin und Her, obwohl Sina genau weiß, dass sie sich ewig zu Leo hingezogen fühlen wird, empfand ich dann doch als zu gekünselt. Auch dass es nachher eine passende Lösung für Sinas Mann Marcel gibt, fand ich auf der einen Seite gut, auf der anderen Seite auch irgendwie seltsam. Es wirkte auf mich letztlich einfach nur so, als wolle die Autorin es ihren beiden Hauptfiguren einfach nur so schwer wie möglich machen, mit der Hochzeit keine gute Ausgangslage für Sina und Leo bieten, egal, ob dabei Gefühle verletzt und Ehegelübde gebrochen werden. Dafür war mir es mir persönlich einfach zu schnell Friede, Freude, Eierkuchen und für jeden Charakter eine passende Lösung gefunden. Obwohl Sina im Laufe der Geschichte auch immer wieder betont, dass sie Marcel wirklich liebt und ihn auch aus Liebe geheiratet hat, nimmt sie all die Entwicklungen ziemlich gelassen, sei es Marcels Happy End, die Scheidung oder den Hausverkauf.

Der Schreibstil der Autorin Katrin Frank hat mir dagegen allerdings gut gefallen. Die 250 Seiten waren super schnell, an einem Tag, trotz langgezogenem Plot, durchgelesen. Die Sprache hat mir gefallen und vielleicht werde ich doch nochmal in ein anderes Buch der Autorin reinschnuppern.
I kissed the boss hat mich leider nicht überzeugen können. Die erwartete Thematik – dass Sina ihre Jugendliebe als ihren Boss wiedertrifft, ihre Gefühle nicht einzuordnen weiß, sich von ihrem Freund trennt und Leo eine Chance gibt – hätte mich begeistern können. Die letztliche Umsetzung der Autorin hat mir allerdings nicht wirklich gefallen. Nicht nur, weil ich mit den Charakteren nicht viel anfangen konnte, sondern auch, weil mich viele kleine Dinge am Plot gestört haben. Leider kein Buch für mich. 

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Vielen Dank an den Forever Verlag für das Rezensionsexemplar.
Habt ihr I kissed the boss schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

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Das Urheberrecht des Klappentextes unterliegt dem Forever Verlag.
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