Dienstag, 23. Januar 2018

Rezension | "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" von Daniel Glattauer

Goldmann | Taschenbuch | 224 Seiten | 30. April 2012 (Original: 2006) | 978-3442478019 | Band 1
Goldmann | Taschenbuch | 224  Seiten | 08. März 2011 | 978-3442472444 | Band 2

"Ich habe alles gespeichert, was du mir jemals geschrieben hast, mein Lieber." // "Alle sieben Wellen", Seite 66
Anmerkung: Ich habe Band 1 im Juni letztes Jahr, Band 2 erst diese Woche gelesen.

Eventuelle Spoiler für Band 1 können nicht ausgeschlossen werden.
(Velagsseite)

Daniel Glattauer wurde 1960 in Wien geboren und ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig. Bekannt wurde er zunächst durch seine Kolumnen, die im so genannten "Einserkastl" auf dem Titelblatt des Standard erscheinen und in Auszügen in seinen Büchern "Die Ameisenzählung", "Die Vögel brüllen" und "Mama, jetzt nicht" zusammengefasst sind. Seine beiden Romane "Der Weihnachtshund" und "Darum" wurden mit großem Erfolg verfilmt. Der Durchbruch zum Bestsellerautor gelang Glattauer mit dem Roman "Gut gegen Nordwind", der für den Deutschen Buchpreis nominiert, in zahlreiche Sprachen übersetzt und auch als Hörspiel, Theaterstück und Hörbuch adaptiert wurde.

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Verlagsseite | Gut gegen Nordwind
Leseprobe
Verlagsseite | Alle sieben Wellen
Leseprobe
Homepage des Autors

Buch 1: Gut gegen Nordwind


Gut gegen Nordwind
                 (Verlagsseite)

Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Ich war in Bezug auf "Gut gegen Nordwind" skeptisch. Nicht wegen des E-Mail-Formats ohne jegliche Narrative außerhalb der Korrespondenz (das hat problemlos funktioniert und ich habe zuvor schon verschiedene gute Briefromane gelesen), sondern weil Emmi verheiratet ist und ich mir nicht vorstellen konnte, worauf die Geschichte hinauslaufen sollte. Würden die Mails im Sand verlaufen? Würden sie sich verlieben, einander treffen und eine Affäre beginnen? Eine ernsthafte Beziehung? Selbst während der Lektüre war ich mir nicht sicher, wie Glattauer das Buch beenden würde und mehr noch - ich war mir gar nicht sicher, was denn für mich das passende Ende wäre. Dass alles bleibt wie bisher oder dass Emmi ihren Mann verlässt und mit Leo ein neues Leben beginnt... beide Optionen schienen offen zu sein und ich war gespannt, welchen Weg der Autor gehen würde. Das Ende an sich war dann auch perfekt und ich bin mir gar nicht sicher, ob eine Fortsetzung für mich überhaupt nötig ist.

Das Buch an sich hat mir sehr gefallen. Das E-Mail-Format funktioniert und es war interessant, die Charaktere auf diese spezielle Art kennen zu lernen. Man bekommt nur verstreut Informationen, eben die, die sie ihrem Gesprächspartner übermitteln (wollen), und muss sich daraus ein eigenes Bild machen. Auch wie sich die Beziehung der beiden von einer Zufallsbekanntschaft hin zu mehr entwickelt war glaubwürdig dargestellt und die Gespräche zwischen ihnen waren unterhaltsam und überraschend tiefgründig - eine gute Mischung, die klar gezeigt hat, wie sich die Beziehung zwischen ihnen wandelt, ganz langsam und unmerklich. Der Autor konnte damit wirklich überzeugen.

Die Fortsetzung werde ich vermutlich der Vollständigkeit halber lesen, aber eigentlich ist "Gut gegen Nordwind" für mich so vollkommen in Ordnung und ich kann mir kein passenderes Ende vorstellen, obwohl es für die Charaktere alles andere als perfekt ist. Mal sehen, was Glattauer sich für die Zukunft ausgedacht hat.

Buch 2: Alle sieben Wellen


Alle sieben Wellen
                 (Verlagsseite)

Erstens: Sie kennen Emmi Rothner und Leo Leike? Dann haben Sie also „Gut gegen Nordwind“ gelesen, jene ungewöhnliche Liebesgeschichte, in der sich zwei Menschen, die einander nie gesehen haben, per E-Mail rettungslos verlieben. Zweitens: Für Sie ist die Geschichte von Emmi und Leo und ihrer unerfüllten Liebe abgeschlossen. Mag sein. Aber nicht für Emmi und Leo! Drittens: Sie sind der Ansicht, dass die Liebenden zumindest eine einzige wirkliche Begegnung verdient hätten und der Roman eine zweite Chance auf ein anderes Ende? Bitte, hier haben Sie’s! Viertens: Sie haben keine Ahnung, wovon hier die Rede ist? Kein Problem. In diesem Buch erfahren Sie alles: von Leos Rückkehr aus Boston, von Emmis Eheproblemen und von der siebenten Welle, die immer für Überraschungen gut ist.


Vor der Lektüre von "Alle sieben Wellen" war ich mir gar nicht sicher, ob eine Fortsetzung von "Gut gegen Nordwind" wirklich notwendig war. Das Ende des ersten Bandes war zwar für die Charaktere nicht unbedingt positiv und es war schmerzhaft, von der Entwicklung der Situation zu lesen, aber ich konnte mir nur schwer eine bessere Lösung vorstellen und war mit der Lage eigentlich voll und ganz zufrieden - obwohl ich normalerweise klassische Happy Ends bevorzuge. Trotzdem wollte ich das Buch lesen, hauptsächlich der Vollständigkeit halber und auch, weil ich doch neugierig darauf war, was der Autor sich noch ausgedacht hatte.

Nach dem Lesen bin ich mir immer noch nicht sicher, ob das ursprüngliche Ende nicht besser gewesen wäre als das, was in "Alle sieben Wellen" geliefert wird. Die Geschichte ist auf jeden Fall interessant; zuvor war die Korrespondenz der Protagonisten oft leicht und locker, dazu unterhaltsam und schlagfertig, in diesem Band dagegen sind sie von ihren Gefühlen belastet und dadurch sind die Gespräche viel intensiver und ernster. Die Situation ist sehr kompliziert und keiner der beiden weiß so richtig, wie sie damit letztlich umgehen sollen, vor allem, da es nach wie vor Hindernisse für eine Beziehung zwischen ihnen gibt. Das hat der Autor gut dargestellt und auch die Emotionen, die Emmi und Leo miteinander teilen, hat er überzeugend geschildert. Trotzdem hatte ich hier ein großes Problem mit Emmi.

Ich konnte verstehen, wieso sie frustriert und auch durcheinander war, und dass sie Fehler macht und sich falsch verhält, macht sie menschlich. Leider kam sie mir oft unnötig gemein vor, gerade, wenn sie Forderungen an Leo stellte, ihr gegenüber offen zu sein, ihm dabei allerdings selbst Dinge vorenthielt, was der Leser später erfährt. Das lässt sich begründen und 'wegerklären', hat mich jedoch gestört. Dazu kam noch das Hin und Her, das zwar nachvollziehbar, aber ein wenig nervig war und auch ein paar Entwicklungen in der Handlung haben mich nicht hundertprozentig begeistert. Dadurch wurde mein Lesespaß ein wenig getrübt; ich habe das Buch gerne gelesen, es hat mich gefesselt und ich war definitiv daran interessiert, wie es für die Charaktere ausgehen würde. Aufgrund meiner Kritikpunkte (und weil der erste Band mir ein wenig besser gefallen hat) bekommt dieses Buch von mir
.
Habt ihr schon einmal von der Reihe gehört?
Wenn ja, wie findet ihr sie?
Welches Ende hat euch besser gefallen?
Noch einen schönen Tag!

Kommentare:

  1. Huhu Kerstin =)

    Ich bin auch nicht sicher, ob unbedingt eine Fortsetzung hätte sein müssen. Fest steht aber, dass ich !Alle sieben Wellen" sogar etwas besser fand als "Gut gegen Nordwind" =).

    LG
    Anja

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    1. Hey,

      ich fand es gut, dass die Charaktere ihre Gefühle hier aufrichtig thematisiert und ernsthafte Gespräche geführt haben, aber wie gesagt hat mich hier sehr gestört, wie fordernd Emmi war und sie kam mir wirklich teilweise zu gemein vor. Außerdem bin ich kein großer Fan von dem Verhalten, das die beiden an den Tag legen, nachdem Emmi von der Nachricht ihres Mannes erfahren hat und das hat es mir leider auch schwer gemacht, das Buch richtig zu genießen.

      Liebe Grüße,
      Kerstin

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  2. Huhu Kerstin,

    mich hat in Band 1 schon das Hin und Her so genervt und dass Emmi immer Ausflüchte gefunden hat, sich nicht zu treffen. Daher werde ich Band 2 wohl auch nicht lesen. Den eMail-Stil mag ich aber gerne. :)

    LG Alica

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    1. Hey,

      das ist in Band 2 tatsächlich nicht das Problem, aber dafür stellt Emmi andere Forderungen. Und von meinem Eindruck her war das Hin und Her in diesem Band tatsächlich noch ausgeprägter/"schlimmer"...
      Der E-Mail-Stil hat mir auch gut gefallen, vor allem ist man dadurch auch sehr schnell vorangekommen. Ich mag aber Briefromane generell recht gerne.

      Liebe Grüße,
      Kerstin

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  3. Hallo Kerstin

    Ich habe beide als Print und Hörbuch inhaliert. Ich liebe die Geschichte.

    Schönen Sonntag,
    Gisela

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    1. Hey,

      mir hat die Dilogie insgesamt ja auch ziemlich gut gefallen :) Ich hatte nur im zweiten Band ein paar Probleme mit dem Verhalten der Charaktere, aber ich war auch zum Glück noch nie in so einer verworrenen Situation und kann nicht beurteilen, wie ich mich verhalten würde.

      Danke, dir noch einen schönen Abend!
      Liebe Grüße,
      Kerstin

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