Freitag, 13. April 2018

Lesung von "Die Gabe des Himmels" (Daniel Wolf)


Als ich gesehen habe, dass in der Gegend eine Autorenlesung von Daniel Wolf angekündigt war, wollte ich unbedingt hingehen - nicht nur, weil ich "Die Gabe des Himmels" einfach toll fand, sondern auch, weil ich bereits 2015 eine Lesung zu "Das Licht der Welt" besuchen wollte und diese leider krankheitsbedingt entfallen musste. Dieses Mal fand der Termin aber statt und es war ein wirklich schöner Abend.

Der Autor begann seine Lesung damit, dass er den Unterschied zwischen dem Mittelalter und der heutigen Zeit an einem Beispiel verdeutlichte. Er erzählte, dass er innerhalb von eineinhalb Stunden anreisen konnte, im 14. Jahrhundert allerdings mehrere Tage gebraucht und dabei verschiedene Länder durchquert und unwegsame Strecken beschritten hätte, da er sich als 'armer Geschichtenerzähler' kein Pferd hätte leisten können. Dieses anschauliche Beispiel hat wirklich gut gezeigt, wie viel sich verändert hat und wie fremdartig die Welt des Mittelalters für uns eigentlich ist. Später am Abend hat er ebenso anschaulich geschildert, wie es für die wenigen Überlebenden der Pest sein musste - fast alle Menschen, die sie kannten, waren gestorben, was für uns zum Glück eine unvorstellbare Situation ist. Allein der Gedanke, alle geliebten Menschen auf einmal zu verlieren und nicht einmal mehr Freunde oder Bekannte zu haben ist furchtbar und man will gar nicht daran denken, dass dies für die Überlebenden der Fall war.

Wolf hat eine Textstelle vorgelesen, in der die Auswirkungen der Pest beschrieben wurden, und obwohl ich das Buch ja schon kenne, war es beklemmend zu hören, wie die Leute litten und alle versuchten, der Seuche zu entkommen. Der Autor hat auf jeden Fall sehr gut gelesen und den unterschiedlichen Charakteren eine gewisse Individualität verliehen; die anderen Textstellen, die er ausgesucht hat, waren weniger düster, aber trotzdem interessant. Man hat gleich den Protagonisten vorgestellt bekommen und einen Einblick in sein Leben erhalten. Die Wahl, nach den Szenen um die Pest noch eine unterhaltsamere Stelle vorzulesen, fand ich auch gelungen, da es ein angenehmerer Abschluss war.

Die Fragen, die dem Autor gestellt wurden, haben ein paar interessante Antworten ergeben und er hat teils sehr selbstkritisch, aber auch voller Humor über verschiedene Dinge erzählt. So hat er beispielsweise erklärt, dass Pseudonyme heute eher Markennamen sind und er deshalb seine historischen Romane nicht unter seinem richtigen Namen, Christoph Lode, veröffentlicht, unter dem er vor allem Fantasy geschrieben hat. Besonders faszinierend fand ich aber die Einblicke in seinen Schreibprozess und die Informationen über die Korrekturdurchgänge, die durchlaufen werden. Man merkt dem Buch definitiv an, dass es monatelange Recherche gab, da es sich gut liest und authentisch wirkt. Spannend fand ich es, dass die Sprache, die die Figuren verwenden, eine Art Kunstprodukt ist; Wolf hat eine Sprache gewählt, die seiner Meinung nach so ähnlich gesprochen wurde, aber zugleich so geschrieben, dass moderne Leser alles verstehen können. Zudem hat er verraten, dass er an einem neuen Buch arbeitet, jedoch wollte er nicht verraten, worum es sich handelt.

Insgesamt war es ein schöner Abend und die Zeit verging wirklich schnell. Die Krönung war natürlich, dass nach Ende der Fragerunde mein Buch signiert wurde :)

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