Samstag, 26. Dezember 2015

Rezension | "Alles Land" von Jo Lendle

btb Verlag| Taschenbuch | 376 Seiten | 8,99€ | 9. September 2013 | 978-3442745944

"Er würde suchen müssen, und wie bei jeder Suche, bei der man das Ziel nicht kannte, galt es, an allen möglichen und unmöglichen Stellen nachzusehen." // Seite 137

Inhalt (Quelle: Buchrücken)
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Ein fesselnder Abenteuerroman über den letzten großen Helden der Polarforschung.
»Vor achtundzwanzig Stunden sind wir aufgebrochen, und immer noch ist es hell. Seither fahren wir auf dem Inlandeis, in der Wohnung der bösen Geister, wie die Grönländer es nennen. Was werden wir finden?« 1930 bricht Deutschlands letzter großer Polarforscher Alfred Wegener ins Grönlandeins auf. Er will der Menschheit zeigen, dass es möglich ist, am einsamsten Punkt der Erde zu überwintern. Hinter ihm liegt ein Leben wie ein Abenteuerroman, den Jo Lendle jetzt erzählt: bildkräftig und voller Liebe zu einer untergegangenen Epoche.

Zum Autor (Quelle: Amazon.de)
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Jo Lendle wurde 1968 geboren und lebt in Köln. Zuletzt erschienen bei btb seine vom Feuilleton gefeierten Romane "Was wir Liebe nennen", "Alles Land", "Mein letzter Versuch, die Welt zu retten" und "Die Kosmonautin".

Meinung
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"Alles Land" lässt mich zwiegespalten zurück.

Auf der einen Seite fand ich das Buch interessant. Der Schreibstil ist zwar eher nüchtern und fast schon kurz angebunden, aber die Geschichte ist dennoch (oder gerade deshalb?) eindringlich geschrieben. Gerade die Forschungsreisen, die Alfred Wegener unternimmt, fand ich faszinierend: Lendle gelingt es, die Probleme, die die Figuren durchleiden, sehr realistisch darzustellen, sodass man als Leser genau merkt, wie entbehrungsreich und qualvoll die Reisen damals waren. Der Autor schildert Hunger, Kälte, Einsamkeit und auch den Tod sehr realistisch, ohne etwas zu beschönigen oder auszuschweigen. Da ich mir das Buch nur gekauft habe, um über die in der Inhaltsangabe beschriebene Reise zu lesen, haben mir die Kapitel, die sich um Wegeners Forschungen vor Ort treten, sehr gut gefallen. Sie waren interessant, informativ und zugleich auch beklemmend.
Deshalb hat es mich enttäuscht, dass den Reisen nicht mehr Raum gegeben wurde. Zwar spielen sie eine wichtige Rolle und werden auch recht ausführlich beschrieben, doch anhand der Inhaltsangabe hatte ich erwartet, dass das Buch sich nur beziehungsweise hauptsächlich damit befassen würde. Dies ist aber nicht der Fall; "Alles Land" ist eine Art Biographie über Wegener, die mit seiner Kindheit beginnt und mit seinem Tod endet. Gerade die Erzählungen über seine Kindheit haben mich nicht wirklich interessiert - im Gegenteil haben sie mich zu Beginn erst einmal irritiert, weil ich nicht erwartet hatte, dass das Leben Wegeners außerhalb seiner Forschungen so ausführlich behandelt werden würde. Meine falschen Erwartungen haben dann auch dazu beigetragen, dass ich stellenweise etwas gelangweilt war, da ich mehr über die Reisen ins ewige Eis lesen wollte, nicht über Eheschließungen oder Kriegserlebnisse.

An dieser Stelle muss ich anmerken, dass ich, bevor ich das Buch gelesen habe, nicht wirklich viel über Alfred Wegener wusste. Ich kannte seinen Namen und habe schon von ein paar seiner Theorien gehört, aber über ihn als Mensch oder seine Forschungen wusste ich eigentlich nichts. Aus diesem Grund kann ich auch nicht überprüfen, wie akkurat Lendles Schilderungen sind; er selbst schreibt im Nachwort, dass sein Roman in vielem vom Leben Wegeners abweicht. Leider - und dies ist ein weiterer Kritikpunkt - wird im Buch selbst nicht wirklich deutlich gemacht, welche Stellen Fiktion und welche Wiedergabe der Realität sind. Da das Buch aber als "Roman" und nicht als "Biographie" verkauft wird, kann man dies denke ich verschmerzen. Außerdem ist es Lendle definitiv gelungen, ein fiktives Konstrukt von Wegener zu erschaffen, mit dem man als Leser mitfühlen kann und das sehr lebendig und realistisch wirkt.

Fazit
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"Alles Land" ist zu empfehlen, wenn man sich für das Leben von Wegener interessiert, mehr über ihn erfahren und sich einmal einlesen möchte. Wer allerdings einen Roman erwartet, der sich hauptsächlich mit seinen Forschungsreisen beschäftigt, wird einige Schwierigkeiten haben, sich in das Buch einzufinden.
★★★ 3/5 Sterne

WERBUNG
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Leseprobe
Wikipedia-Artikel zu Alfred Wegener
Artikel von dradio.de
Homepage des Autoren

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