Samstag, 6. Februar 2016

Rezension | "Endstation Venedig" von Donna Leon

Diogenes Verlag | Taschenbuch | 352 Seiten | 31. Oktober 1996 | 978-3257227802
Originaltitel: Death in a Strange Country (1993)
Inhalt (Amazon.de)
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Eine Leiche schwimmt in einem stinkenden Kanal in Venedig. Und zum Himmel stinken auch die Machenschaften, die sich hinter diesem Tod verbergen: Mafia, amerikanisches Militär und geldgierige Geschäftsmänner sind gleichermaßen verwickelt. Commissario Brunetti muß sich anstrengen, um nicht selbst im Kanal zu landen. Wer Giftmüll verschwinden lassen kann, für den sind unliebsame Mitwisser kein Problem.

Die Autorin (Amazon.de)
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Auf Donna Leon können sich die Leser verlassen: Jedes Jahr beschert sie ihnen einen neuen Brunetti-Krimi. Der Commissario ermittelt in sämtlichen Gassen und allen Bevölkerungsschichten Venedigs. Er kämpft gegen den Filz in den Behörden, korrupte Beamte und Verbrecher. Die Autorin lässt ihn bei seiner Familie und gutem Essen immer wieder Kraft tanken. Leon wurde 1942 in New Jersey geboren. Sie verließ Amerika 1965, studierte in Italien und reiste anschließend als Reiseleiterin, Werbetexterin und Lehrerin durch die halbe Welt. Seit 1981 ist Venedig ihr fester Wohnsitz. Seit dem ersten Brunetti-Buch "Venezianisches Finale" entsteht hier jedes Jahr ein neuer Roman.

Meinung
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Wie seinen Vorgänger habe ich auch Endstation Venedig gerne gelesen.

Die ruhige Ermittlungsweise von Brunetti gefällt mir nach wie vor sehr gut. Donna Leon zeigt, dass ein Krimi keine großen Verfolgungsjagden oder Schusswaffengebrauch nötig hat, um interessant zu sein und die Leser zu fesseln; ich habe den Krimi von Anfang an verschlungen und hatte meine Schwierigkeiten damit, ihn aus der Hand zu legen. Dies liegt zum einen daran, dass Brunetti ein sympathischer Ermittler ist und man ihn gerne begleitet, zum anderen aber auch daran, dass der Fall um den toten Amerikaner sehr interessant und auch lange undurchsichtig war. Zudem gibt es da ja noch den Raubüberfall, bei dem man sich die ganze Zeit fragt, ob und wie er mit dem Todesfall zusammenhängt.

Die "Hintergrundgeschichte" des Mordfalles hat mich weniger interessiert als die des ersten Bandes; das liegt daran, dass Umweltkatastrophen wie "Giftmüllskandale" mich einfach weniger faszinieren konnte als die Welt der Oper, die Leon uns in Venezianisches Finale präsentiert hat. Zwar hat mich interessiert, was die Autorin beiläufig über die Militärgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg mit den verschiedenen Stützpunkten eingearbeitet hat, aber die Verwicklungen des amerikanischen Militärs in Italien waren für mich nicht besonders interessant.
Spannend ist hingegen, was die Freundin des Toten zu enthüllen hat und wie sie Brunetti auf die richtige Spur führt. Dieser Teil der Handlung hat mir gut gefallen und hat mich zu weiterer Recherche angeregt. Auch der "Nebenschauplatz", der Raubüberfall, hat mich sehr interessiert.
Auch, dass Brunettis Schwiegereltern eine etwas größere Rolle in der Handlung eingenommen haben, ist positiv zu bewerten und könnte zu weiteren Verstrickungen in späteren Bänden führen. Da stehen ja im Moment noch viele Möglichkeiten offen.

Das Ende fand ich enttäuschend. Die "Auflösung" ging mir zu schnell, zum anderen finde ich es nicht befriedigend - alles bleibt recht offen und wirkt, als wäre der Fall eigentlich nicht abgeschlossen. Dieses Ende ergibt durchaus Sinn, wenn man sich die ganzen Verwicklungen ansieht, für mich als Leser ist es aber trotzdem enttäuschend.

Fazit
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Insgesamt würde ich Endstation Venedig mit ★★★★bewerten. Da das Ende mir nicht gefallen hat, habe ich ein wenig abgezogen, aber dass die Thematik mich nicht so sehr interessiert hat wie die des ersten Bandes wird durch den "Nebenschauplatz" und die sympathische Ermittlungsweise von Brunetti ausgeglichen.
Ich freue mich nun sehr auf den dritten und den vierten Band, die schon auf meinem SuB stehen.

Reihenfolge der "Guido Brunetti"-Reihe
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Venezianisches Finale / Death at La Fenice (1)
Endstation Venedig / Death in a Strange Country (2)
Venezianische Scharade / Dressed for Death (3)
Vendetta / Death and Judgment (4)
Aqua alta / Death in High Water (5)
Sanft entschlafen / Quietly in Their Sleep (6)
Nobilita / A Noble Radiance (7)
In Sachen Signora Brunetti / Fatal Remedies (8)
Feinde Freunde / Friends in High Places (9)
Das Gesetz der Lagune / A Sea of Troubles (10)
Die dunkle Stunde der Serenissima / Wilful Behaviour (11)
Verschwiegene Kanäle / Uniform Justice (12)
Beweise, dass es böse ist / Doctored Evidence (13)
Blutige Steine / Blood from a Stone (14)
Wie durch ein dunkles Glas / Through a Glass, Darkly (15)
Lasset die Kinder zu mir kommen / Suffer the Little Children (16)
Das Mädchen seiner Träume / The Girl of His Dreams (17)
Schöner Schein / About Face (18)
Auf Treu und Glauben / A Question of Belief (19)
Reiches Erbe / Drawing Conclusions (20)
Tierische Profite / Beastly Things (21)
Das goldene Ei / The Golden Egg (22)
Tod zwischen den Zeilen / By Its Cover (23)
Endlich mein / Falling in Love (24)
Ewige Jugend / The Waters of Eternal Youth (25)

WERBUNG
Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung:
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Leseprobe
deutsche Homepage der Autorin
englische Homepage der Autorin
Seite zur Verfilmung

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Diese Rezension wurde ursprünglich am 25. Oktober 2013 hier veröffentlicht.

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