Donnerstag, 11. Februar 2016

Rezension | "Grau" von Jasper Fforde

Eichborn Verlag | Hardcover | 496 Seiten | 23. August 2011 | 978-3821861401
Originaltitel: Shades of Grey (2009)
Reihenfolge der "Eddie Russett"-Reihe
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Grau / Shades of Grey (1)
Painting by Numbers (2) (geplant)
The Gordini Protocols (3) (geplant)

Inhalt (Amazon.de)
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Es läuft gut für Eddie Russett: Seine Rotsicht ist exzellent, er wird mit etwas Glück auf der Farbskala nach oben heiraten, und sein Leben plätschert angenehm ereignislos dahin - bis zu dem Tag, an dem er sich unrettbar und wider jede Vernunft verliebt. Denn Jane ist nicht nur geheimnisvoll und wunderbar stupsnasig, sie ist auch komplett farbenblind und gehört damit der gesellschaftlichen Unterschicht an: eine Graue! Jane hebt Eddies geordnete Welt aus den Angeln: Plötzlich hat er einflussreiche Feinde, wird mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert, und zu allem Überfluss versucht seine Angebetete auch noch immer wieder, ihn umzubringen. Denn Jane hütet ein hochexplosives Geheimnis, und Eddie weiß bereits zu viel ... "Grau" ist das neue Meisterwerk des britischen Erfolgsautors Jasper Fforde. Ein spektakuläres Ideenfeuerwerk und phantastisches Abenteuer um Liebe, Verrat und die unüberschätzbare Macht der Neugier.

Meinung
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Grau war so gar nicht, was ich erwartet hatte. Ich dachte (vielleicht auch, weil ich noch kein Buch von dem Autor kenne und nicht wusste, in welchem Stil und worüber er schreibt), dass es schwerpunktmäßig um eine Art unmöglicher Liebesgeschichte à Romeo und Julia ginge, die in einer uns fremdartig erscheinenden Gesellschaft spielt und mit dramatischen Elementen angereichert ist. Wie gesagt habe ich mich dabei gründlich geirrt, aber das Buch hat mir trotzdem gut gefallen.

Hauptsächlich habe ich mir das Buch gekauft, weil ich die Idee einer Gesellschaft, in der die Individuen nach ihrer Farbsicht beurteilt werden, sehr interessant fand - und Fforde ist es zweifellos gelungen, seine Welt um diesen Aspekt herum glaubwürdig aufzubauen, zumindest im Großen und Ganzen. Allerdings gibt es auch synthetische Farben, die jeder erkennen kann, ungeachtet dessen, welcher Kategorie er sonst angehört. Dafür hätte ich mir auch eine Erklärung gewünscht, da es aber für die Handlung keine große Rolle spielt, konnte ich darüber hinwegsehen. Abgesehen davon ist die Gesellschaft, die der Autor schildert, unglaublich faszinierend - wenn auch zweifellos düster. Alles ist sehr streng geregelt (die vor jedem Kapitel abgedruckten Regeln zeigen sehr schön, dass quasi alles gesetzlich geregelt ist), die Hierarchien sind genau festgelegt und die Klasseneinteilung ist alles.
Insgesamt ist die Welt also keine ideale, was aber nichts daran ändert, dass sie sehr interessant ist. Auf den ersten Blick ist sie unserer sehr ähnlich, doch dadurch, dass die Menschheit in verschiedene Farb-Gruppen eingeteilt wird, gibt es zahlreiche Details, die sich daraus ergeben und die Unterschiede zu unserer Realität darstellen. Ich muss sagen, dass ich gerne noch mehr über diese Welt gelesen hätte, denn zweifellos der interessanteste Aspekt des Romanes war für mich alles, was mit dem "Worldbuilding", der Gesellschaft und dem Leben der Menschen zu tun hatte.
Ein Problem war, dass die Geschichte von jemandem erzählt wird, der in dieser Welt aufgewachsen ist und sie als normal empfindet. Wieso also sollte er alle Unterschiede zu unserer Welt, die er gar nicht kennt, erklären? Es ergibt erzählerisch Sinn, machte es aber am Anfang schwer, sich einzulesen, da wenig erklärt wurde. Erst nach und nach wurden immer mehr Details aufgedeckt und man lernte langsam, die fremdartige Gesellschaft zu verstehen - davor war es zwar interessant, die Unterschiede selbst festzustellen, aber trotzdem verwirrend.

Die Geschichte von Edward ist auch nicht uninteressant. Er ist ein guter Protagonist, der seine Fehler hat, zweifelhafte Entscheidungen trifft und sich im Laufe des Buches weiterentwickelt. Die Nebenfiguren sind, wenn auch nicht liebenswert, doch alle gut beschrieben und ihre Interaktionen mit dem Protagonisten geben der Geschichte ihre Würze. Gerade zu Ende des Buches ergeben sich einige Konstellationen, die die Folgebände spannend machen werden.
Die Liebe zu Jane spielt eine entscheidende Rolle, nimmt aber in der Handlung nicht übermäßig viel Platz ein, sondern entwickelt sich so nebenbei. Die Geschichte der beiden hat mir ganz gut gefallen. Sie ist nicht besonders romantisch oder voll leidenschaftlicher Gefühle, aber sie wirkt echt und scheint gut zur Welt zu passen, in der sie spielt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie der Autor die auswegslos erscheinende Situation der beiden in den Folgebänden aufzulösen gedenkt.

Zwischendurch hatte die Handlung einige Längen, doch da Eddie nach und nach mehr über die Hintergründe seiner Welt herausfindet, wurde das Buch nie langweilig, und gerade am Schluss wurden einige Karten noch einmal durchgemischt.

Fazit
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Grau bekommt von mir 3,5/5 Sternen, vor allem für die fantastische Welt, die Fforde erschaffen hat. Aber auch die Handlung hat mir gut gefallen und da das Ende noch einiges offen lässt, hoffe ich, dass Band zwei bald erscheint.
★★★ 3 (3,5)/5 Sterne

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Leseprobe

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Diese Rezension wurde ursprünglich am 2. Oktober 2014 hier veröffentlicht.

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