Samstag, 13. August 2016

Rezension | "Unfehlbar" von Bruce McCabe

Blanvalet | eBook | 512 Seiten | 18. Januar 2016 | 978-3-7341-0173-1

"Es war fast unmöglich, sie als Puppe zu betrachten. Sie war verlegen und verletzlich. Er wollte sie trösten und etwas tun, damit sie sich wohler fühlte." // eBook Seite 87

 
San Francisco in der nahen Zukunft: Im Silicon Valley hat eine Technologiefirma Roboter entwickelt, die sich von echten Menschen kaum unterscheiden und ein scheinbar normales Leben führen. Eine wachsende Zahl religiöser und politischer Gruppen verteufelt diesen Fortschritt mit zunehmend radikalen Parolen. Als ein Bombenanschlag die Stadt erschüttert, wird Daniel Madsen beauftragt, den Attentäter zu finden. Er gehört einer kleinen Eliteeinheit des FBI an, die mit neuesten Technologien ermittelt. Madsen bleibt nicht viel Zeit, denn der Täter kann jederzeit erneut zuschlagen. Und er muss abtauchen in eine düstere Welt aus Gewalt, Sex und Korruption …


Roboter, Bombenanschlag, radikales Verhalten von politischen und religiösen Gruppen, Korruption und Gewalt – das sind definitiv Themen, die einen guten Zukunftsroman bzw. Zukunftsthriller versprechen lassen. Aber leider hat es mir Unfehlbar nicht so leicht gemacht, wie ich erhofft hatte.

Die Geschichte rund um den FBI Agenten Daniel Madsen bietet einen Wahnsinns-Einstieg. Die Stadt vibriert, ein Knall zerreißt die Stille: in San Francisco gab es einen Bombenanschlag; ein Haus bricht zusammen und hinterlässt nichts als Schutt, Asche, Leichenteile und die Frage: Warum? Ich hatte Bilder von 9/11 im Kopf, auch Szenen von der Fernsehserie "Quantico" – falls sie jemand kennt.

Auch die Charaktere fand ich überzeugend: die beiden wichtigsten Figuren sind die Polizei-Computerspezialistin Shari Sanayei und der FBI-Agent (bzw. Plotter genannt) Daniel Madsen. Beide waren mir mit Abstand die sympathischsten Charaktere. Sie haben zwar anfangs nicht viel miteinander zu tun, aber mir war von vornehinein klar, dass die beiden zusammen am Ende das Rätsel aufklären werden. Wieso auch nicht? Denn sie sind beide grandios in ihrem Job. Aufgrund der guten Chemie zwischen den beiden hat mir das letzte Drittel des Buches auch am besten gefallen. Sie brauchen und vertrauen einander.

Unfehlbar hat mir einen ordentlichen Denkanstoß gegeben, denn in dem Thriller wird das schwierige Thema Prostitution sowie der Umgang der Kirche mit eben jener behandelt. Aber da die Geschichte in der Zukunft spielt geht es nicht mehr um Frauen, die sich prostituieren, sondern um Roboter, die eigens für diese Aufgabe entwickelt wurden. Sie sehen aus wie echte Menschen, können Gefühle zeigen und haben verschiedene Bewegungseinstellungen. Das hörte sich für mich anfangs sehr befremdlich an – doch nach und nach habe ich mich gefragt, ob unsere Zukunft auch so aussehen wird, ob es möglich (sein) wird und wie die Zukunft selbst mit den Themen Prostitution, Pornografie und den verschiedenen Weltanschauungen von Politik, Kirche, Glauben und Gesellschaft umgehen wird.

Da ich mich auf die oben genannten Themen konzentriert habe, ist mir ein wenig die Spannung flöten gegangen. Es gab zwar die ein oder andere Action-Szene, richtig packen konnte sie mich allerdings nicht. Ich war interessiert an der Auflösung des Rätsels, wer hat die Bombe gelegt? Waren es die religiösen Fanatiker? Die neue Kirche NeChristo? Es war auch interessant, Madsens Weg der Aufklärung zu folgen, der ganze Zukunftsschnickschnack, aber – wie gesagt – Spannung kam kaum bei mir an.

Bruce McCabes Schreibstil fand ich sehr gut. Genauso wie ich ihn von einem Thriller-Autor erwarte: mitreißend, manchmal ruhig, dann wieder schnell und packend. Aber leider hat es auch sein Schreibstil nicht geschafft, die erhoffte Dramatik zu erzeugen.

Das Cover sieht auf den ersten Blick nach nichts besonderem aus; doch trotzdem gefällt mir die schlichte Gestaltung ganz gut. Für die Geschichte fand ich sie auf jeden Fall passend.


Unfehlbar ist ein guter Thriller: kaum auffallende Logik-Lücken, starke Charaktere, eine runde Geschichte mit einigen Zukunftselementen. Die fehlende Spannungserzeugung hat mich dann leider doch ein wenig enttäuscht. Doch trotzdem kann ich das Buch empfehlen, denn die Geschichte bietet nicht nur eine diskutierte Thematik, sondern schafft es auch, Bilder im Kopf auszulösen und den Geschehnissen in der Zukunft mit Leichtigkeit zu folgen.



"Madsen erlangte die Fassung wieder und legte der Puppe die Hand auf den schlanken Hals. Auch dort spürte er einen Puls." // eBook Seite 50

"Falls dieser Bursche es für lohnend hielt, eine Bombe zu legen, würde ihn wenig davon abhalten, eine zweite zu zünden. Oder eine dritte. Oder zehn." // eBook Seite 223 

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Ein herzliches Dankeschön an die Verlagsgruppe Random House für das Rezensionsexemplar!
Habt ihr Unfehlbar schon gelesen?
Liegt es auf eurem SuB oder steht es auf eurer Wunschliste?
Lasst mir doch gerne eure Meinung da.
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.


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