Samstag, 1. April 2017

Rezension | "Weil ich dich zum Atmen brauche" von Marla Grey

Forever | eBook | 323 Seiten | 6. März 2017 | B06XBZ8VDQ

"Nur er und ich. In mir klingt alles mit und ich muss die Augen schließen, um nicht zu weinen. Vor Freude und Glück." // 9,7% | eBook

Allisons Leben liegt in Scherben. Sie hat während ihrer Schulzeit in einer Kleinstadt in Pennsylvania alles erduldet: Gewalt, Intrigen und Manipulation. Nach dem Abschluss hofft sie auf einen Neuanfang. Doch als sie auf dem Weg zu einem Konzert den Park durchquert, trifft sie auf ihre alten Peiniger. Und alles ist wie früher. Wäre da nicht der schweigsame Musiker Jess, der genau im richtigen Moment auftaucht. Er rettet Allison und weicht ihr von da an nicht mehr von der Seite. Die beiden kommen sich näher und werden schließlich ein Paar. Doch wird ihre Liebe die Narben der Vergangenheit heilen können? Und was wird passieren, wenn Jess Allison eines Tages doch nicht beschützen kann?

 
Weil ich dich zum Atmen brauche ist eine wunderschöne, zuckersüße Geschichte, die nicht nur einiges an Drama und Katastrophen bereithält, sondern auch die Liebe zwischen zwei jungen Menschen beleuchtet und erzählt, die beide schon viel erlebt haben und im Laufe der Geschichte auch noch viel erleben werden.

Besonders ans Herz gewachsen ist mir dabei die Hauptprotagonistin Allie, die schon in Kindertagen von ihrer Familie unterdrückt und erniedrigt wird und in der Schule, sowie im Privatleben Mobbing durch Mitschüler und Verwandte ausgesetzt ist. Allie ist eine sehr starke, junge Frau, die schon früh lernen muss, damit umzugehen, ihr Leben zu leben und über die Peiniger in ihrem Alltag hinwegzusehen. Aber Mobbing ist nicht gleich Mobbing. Während es in der Schule "nur" Streiche waren, entwickelt sich das plötzlich in eine weit kriminellere Richtung. Daher ist sie mehr als froh, als sie dann Jess kennen und lieben lernt, der ihrem Leben einen neuen Sinn gibt und sie beschützen möchte. 

Allies Darstellung in diesem Buch fand ich toll. Sie ist nicht die Protagonistin, die perfekt reagiert und von vorne herein alles richtig macht. Sie ist niemand, der den perfekten Plan in der Tasche hat und sich niemals unterkriegen lässt. Im Gegenteil: Allie ist verletzlich, verängstigt und definitiv nach all den Jahren und all den Erfahrungen gebrochen. Auch wenn das alles schrecklich ist, sie sehr mitnimmt und auch den Leser in ein emotionales Loch fallen lässt, machte sie das für mich zu einem perfekten Charakter, denn so wurde sie menschlich und real und so konnte ich auch bei jeder Attacke und bei jedem Wort mit ihr mitleiden und mitfühlen.

Auf der anderen Seite ist da noch Jess. Ihn fand ich auch wunderbar geschrieben, auch wenn er mir persönlich in der Geschichte viel zu sehr unterging. Durch die verschiedenen Plottwists steht er nicht immer im Vordergrund und da der Verlauf der Dinge nur aus Allies Sicht geschrieben ist, verliert man ihn gerne mal aus dem Fokus. Bei Young Adult Liebesgeschichte ist es ja oft so, dass aus beiden Sichtweisen geschrieben wird und man die Denkensweise und die Gefühle beider Hauptcharaktere miterlebt; in diesem Buch leider nicht. Auch wenn er derjenige ist, der Allie aufbaut, ihr gut zuredet und sie in die richtige Richtung schubst und obwohl er ein sehr lieber, toller und mitfühlender Charakter ist, erschien er mir doch ein wenig zu passiv und teilweise aus der Geschichte gedrängt.

Auch die anderen Charaktere finde ich überzeugend geschrieben: Allies Bruder Ethan, ihre Freundin Emma, die Rabeneltern, Jess' Mitbewohner Jared und die Peiniger. Die einzige Figur, die ich nicht besonders überzeugend fand und bei der ich mich im Nachhinein immer noch frage, was sie eigentlich zur Geschichte beigetragen hat, war Allies zweite Mitbewohnerin Sarah. Sie ist ein absolut komplizierter Charakter, denn sie macht sich ständig abhängig von einem einzigen Jungen, lebt vollkommen unglücklich in ihrer On-Off-Beziehung, ist dauernd sternhagelvoll, am Kotzen und/oder am Weinen. Meiner Meinung nach gibt sie ein völlig falsches Signal im Bezug auf den Umgang mit Männern und mit Alkohol, dass ich die ständige Wiederholung dessen, wie voll sie ist und den wievielten Kater sie hat, in der Geschichte als absolut deplatziert empfand. Sie macht eine schwierige Phase durch und ganz ehrlich, wer hat seinen Kummer nicht schon mal in Alkohol ertränkt? Aber es geht im Plot schließlich um Jess und Allie und nicht darum, wie daneben sich Sarah verhält. Der einzige Umstand, der diesen Charakter in irgendeiner Art und Weise entschuldbar machen würde, wäre eine Fortsetzung des Buches mit Sarah als Hauptcharakter. Schließlich bin ich ein Fan von Happy Ends und gönne auch Sarah ihren Traummann und kein On-Off-Blödsinn.

Der Plot an sich hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen, denn er ist abwechslungsreich aufgebaut. Ständig passiert etwas neues, neue Probleme tauchen auf oder unerwartete Wendungen treten ein. Die Liebesgeschichte um Allie und Jess wurde in diesem ganzen Wirrwarr wunderbar untergebracht und betont die Liebe, die die beiden füreinander empfinden, nur um so mehr. Am Ende wurde es mir persönlich ein wenig too much, aber andererseits war dann auch der Schluss nochmal in einen Spannungsbogen miteinbezogen und hat somit ein romantisches Ende beschert. Erschreckend fand ich die Ereignisse, die in dieser Geschichte verarbeitet werden trotzdem und sie haben mich sehr zum Nachdenken gebracht. Wie oft haben wir schon doofe Kommentare über andere abgelassen, ohne zu wissen und zu merken, wie sehr wir den anderen verletzt haben? Wie oft waren wir schon gemein zu anderen, ohne zu merken, wie sehr wir den anderen damit treffen? Und das ist noch die leichteste Form von dem, was Allie durchmachen musste und was sie letztlich auch überstehen konnte.

Das Cover an sich finde ich sehr schön. Es passt sehr gut in das Angebot vom Forever Verlag, auch wenn ich mir Allie und Jess optisch anders vorgestellt habe. Ich habe ja schon öfters über Gesichter auf Cover gemotzt, eben aus diesem Grund. Da ich mich aber sehr selten von den abgebildeten Personen beeinflussen lasse und mir unabhängig davon die Protagonisten vorstelle, kann ich die Gestaltung objektiv betrachten und von meinem Standpunkt als gut gelungen bewerten.

Auch der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, weil er sehr typisch für ein Young Adult Buch war. Ich liebe es, dass man solche Bücher auch gerne in einem Rutsch durchlesen kann und sich nicht mit komplizierten Wortgeflechten oder Satzgefügen auseinander setzen muss. Aufgrund des Schreibstils und der Buchidee werde ich sicher wieder etwas von Marla Grey lesen.

Weil ich dich zum Atmen brauche hat mir sehr gut gefallen. Mich hat nicht nur der Plot überzeugt, sondern auch die wunderbar ausgearbeiteten Charaktere, die entstandene Dynamik und die Empathie, die man zwangsläufig für Allie empfindet. Ein sehr empfehlenswertes Buch.


 
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Vielen Dank an Netgalley & Forever für das Rezensionsexemplar.
 Habt ihr Weil ich dich zum Atmen brauche schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!


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Das Urheberrecht des Klappentextes unterliegt dem Forever Verlag.
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