Montag, 4. September 2017

Rezension | "Gefährliche Saat" von Jens Kubo

Knaur eBooks | eBook | 352 Seiten | 1. September 2017 | 978-3426450949

"'Ich bin kein Ausländer', stieß er zwischen zusammengepressten Lippen hervor. 'Nein, natürlich nicht. Nicht auf dem Papier. Aber für viele Menschen sind Sie es.'" // bei 5,29%
Anmerkung: Ich habe eine Vorab-Version des Buches im März gelesen.

  

Ein schwerer Anschlag auf die Zentrale eines Energie-Versorgungsunternehmens in Frankreich, bei dem mehrere Menschen sterben, erschüttert Europa. Die Angst vor weiteren Attentaten ist groß, als sich herausstellt, dass es für die Tat einen islamistischen Hintergrund gibt.

In Berlin verfolgt der zweiundzwanzigjährige Djamal mit wachsender Spannung die Geschehnisse rund um das Attentat, Diskussionen um Anti-Terroreinsätze, den IS, Salafisten und Flüchtlinge. Djamal ist Sohn irakischer Einwanderer in der dritten Generation und studiert Maschinenbau. In Deutschland geboren und aufgewachsen, besitzt Djamal die deutsche Staatsangehörigkeit und fühlt sich auch als Bürger dieses Staates, doch im Alltag erfährt er ebenso wie seine Familienangehörigen, seit dem vermehrten Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland, immer häufiger Diskriminierung und Ausgrenzung. Als seine Mutter auf der Straße in seinem Beisein von deutschen Jugendlichen angerempelt wird, verliert er die Kontrolle. Er verprügelt einen der Jugendlichen und wird daraufhin von der Polizei abgeführt. Djamal erhält eine Jugendstrafe auf Bewährung wegen Körperverletzung.

Seiner Familie entgeht seine Veränderung anfangs. Nicht jedoch seiner deutschen Freundin, der Abiturientin Nina Mainhardt. Nina spürt, wie Djamal sich innerlich von ihr entfernt und sich immer öfter mit streng gläubigen jungen Männern trifft. Als sie ihrer Mutter ihre Befürchtungen beichtet, setzt die Anwältin alle Hebel in Bewegung und lässt ihre Beziehungen in Berlin spielen und wendet sich schließlich an BND-Abteilungsleiter Marc Bauer. Doch möglicherweise ist es bereits zu spät: Die Zelle plant einen Anschlag, bei dem Djamal eine Schlüsselrolle zukommt...

(Verlagsseite)

Jens Kubo war als Luftwaffenpilot im Einsatz für die NATO, für die er nach seiner fliegerischen Karriere Sicherheitskonzepte von militärischen Einrichtungen prüfte und überarbeitete. Heute ist er ziviler Berater im In- und Ausland und schreibt unter Pseudonym brisante politische Romane. Der Autor ist mit einer Journalistin verheiratet und lebt in Berlin.


"Gefährliche Saat" befasst sich mit einem Thema, das sehr aktuell und hochgradig brisant ist - die Flüchtlingskrise und die dadurch ausgelösten Kontroversen sowie den Populismus und all die Vorurteile, die Menschen, die ausländisch aussehen, entgegen schlagen können.

Einer der Protagonisten ist Djamal Khadim, dessen Großeltern schon nach Deutschland ausgewandert sind. Er sieht sich als Deutscher, ist gut integriert, studiert. Dennoch schlagen ihm Misstrauen und Hass entgegen, vor allem, da er vor kurzer Zeit ein paar Wochen im Irak verbracht hat, um Familie zu besuchen. Es war sehr schwer, darüber zu lesen, wie er behandelt und ausgegrenzt wurde; Djamal ist unsicher, zweifelt, sucht nach einem Halt und ist ein sehr sympathischer Protagonist - niemand, den man mit Terror in Verbindung bringen würde. Und dennoch wird er von seinen Mitmenschen schlecht behandelt und sogar von der Polizei vorverurteilt. Ich zweifle nicht daran, dass diese Schilderungen für viele akkurat sind, aber trotzdem kann man sich kaum vorstellen, dass so etwas in seiner Heimat, einem vergleichsweise fortschrittlichen Land, passiert. Kubo war hier sehr schonungslos, hat die Vorurteile aufgezeigt und verdeutlicht, dass genau solches Handeln dazu führen kann, dass Menschen sich radikalisieren.

Gut gefallen hat mir, dass auch die andere Seite, die Polizeiarbeit, gezeigt wurde. Man hat gesehen, was in ihnen vorging und der Autor war bemüht zu zeigen, dass man nicht einfach nur schwarz-weiß zeichnen kann. Dabei hat er mich auch sehr nachdenklich gemacht. Wie Djamal behandelt wurde, ist definitiv falsch, einfach furchtbar und es hat mich danach nicht gewundert, wie er auf diese Herabwürdigungen reagiert hat, aber was soll man tun, wenn man glaubt, es ist der einzige Weg, einen Anschlag zu verhindern, der Tausenden von Menschen schaden kann? Es ist die klassische Frage, ob die Bedürfnisse und Rechte des Einzelnen geopfert werden dürfen, um dem großen Ganzen zu helfen und darauf gibt es, obwohl man sofort 'Nein' sagen will, wohl keine einfache Antwort. Leider. Die Gesamtsituation ist einfach schrecklich; stellenweise wirkt die Geschichte fast ein wenig belehrend, da darauf hingewiesen wird, wie man so etwas verhindern soll, aber diese Botschaft hat etwas wahres.

Obwohl ich die Handlung interessant und beklemmend fand, muss ich jedoch sagen, dass sie mich nicht wirklich berühren konnte und nicht einmal das Schicksal der Figuren bei mir Emotionen auslösen konnte. Einige der Enthüllungen waren für mich auch sehr vorhersehbar und meiner Meinung nach hat Djamal sich viel zu schnell verändert; der Autor beschreibt in seinem Nachwort, dass der Prozess im Normalfall genauso rasant abläuft, aber für mich war es trotzdem ein bisschen unglaubwürdig, wie leicht es war.

"Gefährliche Saat" ist ein beklemmendes Buch, das mich nachdenklich gemacht und teilweise einfach entsetzt hat. Dennoch konnte es mich nicht hundertprozentig packen und überzeugen, weshalb ich 'nur' 3,5/5 Sternen vergebe.


Verlagsseite

Herzlichen Dank
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... an den Droemer Knaur Verlag und jellybooks.de, die das Buch für Testleser zur Verfügung gestellt haben.


Kennt ihr das Buch schon?
Oder seid ihr neugierig darauf?
Noch ein schönes Wochenende :)

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