Freitag, 8. September 2017

Rezension | "Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr" von Walter Moers

Knaus | Hardcover | 344 Seiten | 28. August 2017 | 978-3813507850
mit Illustrationen von Lydia Rode

"Ich bin nicht schlecht, ich bin nur anders. Ich bin dein Farbnegativ, dein bunter Schatten, dein verwirbeltes Spiegelbild im Wasser." // Seite 213

Teil der Geschichten aus Zamonien

  
(Verlagsseite)

Eine traumhafte Liebesgeschichte und eine Reise durch das menschliche Gehirn als rasantes zamonisches Abenteuer
Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich.

(Verlagsseite)

Walter Moers ist der Schöpfer vieler erfolgreicher Welten und Charaktere. Von ihm stammen unter anderem die Comicwelten um "Das kleine Arschloch" und dem "Alten Sack", "Adolf, die Nazisau" und die Figur des Käpt`n Blaubär. Seit fast 20 Jahren schreibt er fantastische Romane, die auf dem Kontinent Zamonien spielen. Dazu gehören unter anderem die internationalen Bestseller "Die 13 ½ Leben des Käpt`n Blaubär", "Die Stadt der Träumenden Bücher" und zuletzt "Das Labyrinth der Träumenden Bücher". "Prinzessin Insomnia" ist der siebte Zamonienroman.

Die Illustratorin (Verlagsseite)


Lydia Rode lebt, malt und zeichnet in Berlin. Ihre Aquarelle für "Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr" sind ihre ersten veröffentlichten Illustrationen.


Da Walter Moers zu meinen Lieblingsautoren gehört, war ich sehr gespannt auf sein neues Buch. Die Prämisse - eine fantastische Reise durch die Gehirnwindungen - klang aufregend und bisher konnte mich der Schreibstil des Autors immer fesseln. Auch dieses Mal war keine Ausnahme.

Allein schon die beiden Hauptcharaktere sind interessant. Prinzessin Dylia, die Protagonistin, leidet an einer unerklärlichen Schlafstörung, durch die sie jede Nacht wach ist, und ihr Gehirn sprudelt geradezu über vor Kreativität. Sie erfindet neue Wörter, Farben, Gegenstände... es gibt keine Grenzen. Im Laufe der Handlung bekommt man einen faszinierenden Einblick darin, wie ihre Gedanken arbeiten und es scheint wirklich einmalig zu sein - bunt, farbenfroh und trotzdem durchorganisiert. Am Anfang hatte ich nicht damit gerechnet, ihr 'Gegenstück' zu mögen. Havarius Opal stellt sich ihr als Nachtmahr vor, der plant, ihr den Verstand zu nehmen, nachdem er sie auf ein großes Abenteuer mitgenommen hat. Er ist fest entschlossen, seine Mission zu erfüllen, und zudem sehr sarkastisch und zynisch. Trotzdem hat der Autor es geschafft, dass Opal mir im Laufe der Handlung immer mehr ans Herz gewachsen ist, und die seltsame Beziehung, die während ihrer Reise zwischen ihnen entsteht und die man beinahe Freundschaft nennen kann, ist schön und glaubwürdig dargestellt.

Der Einstieg in die Geschichte war ein bisschen zäh. Sobald Dylia und Opal aufeinander getroffen sind, hat sie mich allerdings gefesselt und ich wollte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich konnte mir nicht vorstellen, eine Fantasy-Geschichte im Gehirn spielen zu lassen, doch es ist Moers problemlos gelungen. Die verschiedenen geistigen Prozesse und Vorgänge sind durch skurrile, bizarre und irgendwie liebenswerte Kreaturen dargestellt und der Weg, den Dylia und Opal gehen, ist immer aufregend, da sie verschiedene Hindernisse - und ihre eigenen Ängste - überwinden müssen. Dem Leser ist immer bewusst, wo die Charaktere sich aufhalten, und nebenbei werden einige Funktionen des Geistes erklärt, was mir gut gefallen hat. Umso spannender ist die Geschichte, weil man weiß, dass Opal vorhat, Dylia in den Wahnsinn zu treiben; man fragt sich, wie die Reise damit zusammenhängt, ob es ihm gelingen wird oder ob nicht doch alles gut ausgehen kann. Das Ende selbst hat mich bestürzt; ich wusste, dass es nicht anders ausgehen kann, hatte aber auf etwas anderes gehofft. Trotzdem war es passend.

Ein großes Plus von "Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr" ist die wunderschöne Gestaltung. Die Illustrationen von Lydia Rode sind farbenfroh und ansprechend und auch die teilweise komplett farbigen Seiten und bunten Buchstaben haben mir sehr gefallen. Es ist ganz anders als die Zeichnungen, die Moers für die anderen Bücher angefertigt hat, aber meiner Meinung nach hat es gut zur Geschichte gepasst.


"Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr" ist, wie man es von Moers kennt, eine ungewöhnliche, fesselnde und humorvolle Fantasy-Geschichte. Die Handlung selbst würde von mir, vor allem wegen des etwas zähen Einstiegs, vier Sterne bekommen; wegen der tollen Gestaltung gibt es einen halben Stern mehr.

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Habt ihr das Buch schon gelesen
und wenn ja, wie hat es euch gefallen?
Oder habt ihr es noch auf der Wunschliste?
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende :)

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