Montag, 2. Oktober 2017

Rezension | "Märchen eines wahren Mordes" von Chloe Hooper

Berlin Verlag | Hardcover | 275 Seiten  | Februar 2003 | 978-3827004673
Originaltitel: A Child's Book of True Crime (2002)

"Daran bin ich schuld, muss der Liebhaber des Mädchens gedacht haben. Das habe ich ihr angetan. Wahrscheinlich wäre er lieber selbst das Mordopfer gewesen." // Seite 35

Die blutjunge Kate ist Lehrerin an einer Grundschule im Herzen Tasmaniens, der ehemaligen australischen Sträflingskolonie. Ihr Lieblingsschüler ist Lucien, ein hochbegabter, eigenwilliger Junge, Ebenbild seines Vaters, dessen Verführungskünsten Kate erlegen ist. Die Frau des Geliebten, eine rothaarige, orchideenhafte Schönheit, hat gerade ein Buch veröffentlicht: "Mord in Black Swan Point". Es ist die Geschichte eines wahren Mordes, der sich hier auf der Insel ereignet hat und nie wirklich aufgeklärt wurde - ein klassisches Eifersuchtsdrama.
Je mehr sich Kate in ihre lolitahafte Beziehung zu Luciens Vater verstrickt, desto größer wird ihr Interesse an "Mord in Black Swan Point", der die Dreieckskonstellation, auf die sie sich eingelassen ht, auf fatale Weise widerspiegelt und ihr einen blutigen Ausgang zu prophezeien scheint. Um ihre Gedanken zu ordnen, beginnt Kate, ihr eigene Version des Mordfalls niederzuschreiben. Ihr geheimer Adressat ist Luicen, dessen merkwürdiges Verhalten im Unterricht sie zunehmend alarmiert. Mit jedem Kapitel dieses Märchens eines wahren Mordes wächst die Obsession der jungen Frau, die sich immer stärker mit der Rolle des Opfers identifiziert. Zu Recht?

(dem Buch entnommen)

Chloe Hooper wurde 1973 geboren. Sie studierte an der University of Melbourne ad der Columbia University in New York.


9 Kapitel


"Märchen eine wahren Mordes" ist eine Geschichte, die mich sehr verwirrt hat. Auf den ersten Blick ist die Handlung klar umrissen - Kate, die Ich-Erzählerin, hat eine Affäre mit einem verheirateten Mann, dessen Frau Veronica Schriftstellerin ist und ein Buch über einen Mord geschrieben hat, dessen Umstände einige Parallelen zum Leben der Protagonistin. Aus diesem Grund macht sie sich Sorgen, dass Veronica ihr nach dem Leben trachten und sie ermorden könnte, so wie es dem Opfer in dem Buch ergangen ist. Je mehr die Handlung voranschreitet, desto offensichtlicher wird für den Leser, dass die Situation nicht so einfach ist, wie es sich aus Kates Sicht darstellt. Ist sie einfach nur paranoid und verliert ihren Halt in der Realität? Oder ist sie wirklich in Gefahr? Wenn ja, wer ist darin verwickelt? Diese Fragen waren es, die das Buch für mich interessant gemacht haben, und der Autorin ist es gut gelungen, die Spannung aufrecht zu erhalten. Dies wird dadurch verstärkt, dass Kate von Beginn an klar ein unzuverlässiger Erzähler ist und keinen vollständigen Einblick in die Situation hat, sodass man versuchen muss, selbst die Hinweise und Andeutungen zusammen zu setzen, was ich interessant fand.

Trotzdem ist es mir manchmal schwer gefallen, der Geschichte zu folgen. Die Autorin kombiniert hier die Einblicke in Kates Gedanken mit der Geschichte eines Modes und Ausschnitte in das 'Kinderbuch', das Kate darüber schreibt, miteinander, was bei mir zu Verwirrungen geführt hat. Die Narrative wird schnell unübersichtlich, da Kate in ihren Gedanken hin und her springt. Als Erzählart fand ich dies realistisch, doch sobald die Protagonistin anfängt, immer mehr über den wahren Mord zu sinnieren und ihre eigene Situation damit gleichzusetzen und sich in die Rolle des Opfers zu denken, war für mich nicht immer deutlich, was wirklich passiert und was nur in ihrer Fantasie oder den Erzählungen stattgefunden hat. Das macht "Märchen eines wahren Mordes" definitiv zu einem anspruchsvollen Buch, auf das man sich voll und ganz konzentrieren muss.

Die Charaktere selbst sind nicht unbedingt sympathisch, die Hauptperson eingeschlossen, aber Hooper hat alle sehr realistisch dargestellt und schonungslos ihre Schwächen beleuchtet.  Alle sind irgendwie verkorkst. Kate selbst hat einige eher negative Eigenschaften und auch ihr Handeln ist keineswegs perfekt, was sich schon daran zeigt, dass sie eine Affäre mit dem Vater eines Schülers hat. Diese Punkte spricht die Autorin ganz direkt an und der Leser bekommt einige unbequeme Details, die meiner Meinung nach nicht nötig waren, aber zum Ton der Geschichte insgesamt passen.

Insgesamt hat mir das Buch ganz gut gefallen. Dadurch, dass es so direkt und offen alle Schattenseiten der Charaktere aufdeckt und auch ihr Handeln nicht beschönigt, ist es mir nicht leicht gefallen, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen, und die komplizierte Narrative hat mich mehr als einmal irritiert. Davon abgesehen fand ich aber die Handlung sehr interessant und ich war gespannt, mehr über den Mord und Kates Schicksal zu erfahren. Die Parallelen und auch die Reaktionen der Protagonistin auf diese waren sehr gut ausgearbeitet, weshalb die Geschichte mich trotz allem fesseln konnte. Deshalb vergebe ich:

Kennt ihr das Buch schon?
Oder seid ihr daran interessiert?
Noch einen schöne Woche :)

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