Montag, 18. Dezember 2017

Rezension | "Der Sommer, als du wiederkamst" von Emily Martin

dtv | Broschiert | 320 Seiten | 7. Juli 2017 | 978-3-423-74028-9

"In Momenten wie diesen kann ich die Augen schließen und mir weismachen, es habe sich nichts geändert. Dass wir noch immer er und ich sind." // Seite 167
Ein einzigartiger Sommer
Im Wegrennen und Verdrängen war die 17-jährige Harper schon immer gut. Deshalb hat sie sich auch von Declan getrennt, ihrem Kindheitsfreund und ihrer ersten Liebe, weil sie Angst hatte, dass sie eine Fernbeziehung nicht aushält. Und deshalb spricht sie im Moment auch fast gar nicht mit ihrer Mutter, die erfahren hat, dass sie Krebs hat. Nun kommt Declan für die Sommerferien aus dem Internat zurück. Und alles an ihm ist anders. Er ist größer, kräftiger und noch attraktiver. Harper muss schmerzlich feststellen, dass er für sie noch immer der Einzige ist. Aber Declan will nicht mehr mit ihr reden ...

 
Der Sommer, als du wiederkamst habe ich in der Verlagsvorschau des dtv entdeckt und für mich sofort entschieden, dass ich dieses Buch lesen muss. Eine Young-Adult-Liebesgeschichte mit viel Drama und alten, verborgenen Gefühlen? Darauf hatte ich richtig Lust, weswegen ich mich sehr gefreut habe, als dieses Buch endlich bei mir zuhause eingetrudelt ist. Im Großen und Ganzen hat mir die Geschichte rund um Declan und Harper auch gut gefallen, obwohl der Plot viel mehr Potenzial hatte, als die Autorin meiner Meinung nach genutzt hat.

Die Geschichte an sich ist auch eigentlich recht einfach aufgebaut: Harper und Declan waren ein Paar, dann zog Declan in ein Internat und die Beziehung zwischen den beiden zerbrach. Harper hat in dieser Zeit einige blöde Entscheidungen getroffen, war dem Alkohol zugetan und hat sich mit den falschen Leuten abgegeben – und als Declan aus dem Internat zurückkehrt, merkt sie, dass sie längst noch nicht über ihn hinweg ist. Ich finde Der Sommer, als du wiederkamst ist ein typisches Buch für Teenager und junge Erwachsene. Viele verschiedene Themen werden in den Plot integriert, die für Teenager und Jugendliche eine besondere Rolle spielen. Der Plot war zwar ansatzweise tiefgründig, allerdings war die Moral dessen einfach zu auffällig. Ich mag eher Bücher, die eine unterschwellige Botschaft haben, die den Leser zum Nachdenken anregen und ihn überlegen lassen, was die Geschichte für einen selbst bedeutet. Botschaften, auf die mit einem dicken Leuchtpfeil hingewiesen wird, liegen mir nicht so, ist allerdings typisch bei Büchern für die jüngere Zielgruppe. Trotzdem ist das Buch unterhaltend und bietet eine sehr schöne, süße Geschichte für zwischendurch. Wer dies erwartet, wird mit dem Buch und der Geschichte gut zurechtkommen. Wer mehr erwartet, wird vielleicht enttäuscht werden.

Wenn ich den Debüt-Roman von Emily Martin aus Erwachsenen-Sicht bewerten soll, muss ich sagen, dass mir ein bisschen der Pfeffer in der Geschichte gefehlt hat. Ich hätte mir ein bisschen mehr Anziehung, ein bisschen mehr Knistern und ein bisschen mehr Romantik gewünscht. Der Fokus lag sehr lange auf Harpers Geschichte, ihrer Vergangenheit und welche verurteilenswerten Entscheidungen sie in Declans Abwesenheit getroffen hat. Die Beziehung zwischen ihm und Harper kam mir dabei einfach zu kurz. Ich hatte nicht wirklich das Gefühl, dass dort alte Empfindungen aufgearbeitet werden oder die beiden sich mit großen Gefühlen neu ineinander verlieben. Das wird alles nur angeschnitten und hat im Plot kaum Rahmen, um sich wirklich zu entfalten. Deswegen hatte ich auch enorme Schwierigkeiten, Emotionen zu empfinden, mitzuleiden und fieberhaft auf den Moment zu warten, wenn die beiden sich endlich wieder aufeinander einlassen. Gerade bei „nur“ 320 Seiten fand ich das schade, denn die Chemie zwischen Harper und Declan stimmte auf jeden Fall und das Umeinander-Herum-Tänzeln fand ich auch lange Zeit sehr spannend.

Ich denke, ein Hauptgrund dafür, dass die Emotionen ein Stück weit auf der Strecke blieben, sind die verschiedenen (wichtigen!) Themen, die dieses Buch behandelt. Neben den mehr oder weniger normalen Problemen eines Teenagers geht es auch um eine Krebserkrankung, die eher eine ernüchternde Stimmung in die Geschichte bringt, außerdem um Alkohol, Drogen, Sex und Freundschaft. Ich kann verstehen, dass die Autorin all diese Facetten in ihrem Buch unterbringen wollte – schließlich hat sie damit auch ein unterhaltendes Werk erschaffen – allerdings geraten Harper und Declan und vor allem ihre Beziehung oftmals eher in den Hintergrund.

Beide Charaktere fand ich auf jeden Fall toll und authentisch und haben die Geschichte nochmal um einiges aufgewertet. Harper ist trotz ihrer Verfehlungen ein nachdenklicher Mensch, der nicht immer so unüberlegt handelt, wie sie manchmal dargestellt wird. Ich denke, sie fühlt sich sehr verloren in der Welt, verlassen von Glück, Liebe, Vertrauen und Geborgenheit und versucht sich durch die innere und äußere Rebellion gegen die Ungerechtigkeiten des Lebens und die Verfehlungen eines Teenagers zu wehren. Ich finde es schade, dass ihr Hilferuf im Buch zunehmend untergeht und es eigentlich nur Declan ist, der erkennt, was Harper da eigentlich treibt. Dass er sie nicht verurteilt, nicht direkt in eine Schublade steckt, sondern sich auf den Eindruck verlässt, den er sich nach seiner Rückkehr von ihr macht. Harper macht es ihm dabei aber auch definitiv nicht leicht.

Und auch Declan hat definitiv seinen eigenen Reiz in die Geschichte gebracht. Anfangs wirkte er eher mysteriös und geheimnisvoll, ein kleiner Badboy, der Harpers Herz noch einmal bricht, aber auch er kämpft mit den Folgen der Vergangenheit, mit seinem Leben im Internat und der ständigen Abhängigkeit von den Entscheidungen seines Vaters. Ich finde es schön, dass er und Harper einen Weg finden, ihre eigene Geschichte zu schreiben, auch wenn sie nicht immer rosarot und nicht immer einfach ist. 

Der Schreibstil der Autorin ist zwar einfach gehalten, allerdings hat er mir gut gefallen. Ich habe mir einige Zitate herausgeschrieben, die mich berührt haben und genau das erwarte ich von einem Autor/einer Autorin – dass sie mit Sprache berühren. Die 320 Seiten sind dank der angenehmen Wortwahl gut durchzulesen und lassen die Protagonisten meiner Meinung nach auf jeden Fall lebendig werden.

Im Großen und Ganzen gefällt mit der Debüt-Jugendroman Der Sommer, als du wiederkamst von Emily Martin gut. Sie behandelt in ihrem Buch viele verschiedene Themen, allen voran aber die große Liebe. Die Geschichte an sich weist zwar einige Schwächen auf und meiner Meinung nach hätte die Autorin auch mehr aus dem Plot herausholen können, dafür fand ich die Charakterausarbeitung toll und auch der Schreibstil hat mich überzeugt. Eine weitere Geschichte der Autorin würde ich auf jeden Fall lesen.


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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Habt ihr Der Sommer, als du wiederkamst schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch einen schönen Tag!

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