Freitag, 15. Dezember 2017

Rezension | "Die Geisterseher" und "Die Winterprinzessin" von Kai Meyer

aufbau Verlag | Taschenbuch | 361 Seiten | 27. August 2009 | 978-3746625324 | "Brüder Grimm", Band 1
aufbau Verlag | Taschenbuch | 341 Seiten | 24. September 2009 | 978-3746625379 | "Brüder Grimm", Band 2

"'Dichtung ist die Wirklichkeit, Herr Grimm. Der Geisterseher ist Wirklichkeit und vieles andere mehr.'" // "Die Geisterseher", Seite 288

(Verlagsseite)

Kai Meyer, geboren 1969, gilt als der Meister der Phantastik. Aus seiner Feder stammen Bestseller wie "Die Wellenläufer" und "Seide und Schwert" und zuletzt die Trilogie "Die Seiten der Welt". Weltweit beträgt seine Auflage mehrere Millionen Exemplare. Übersetzungen erscheinen in 30 Sprachen. Kai Meyer studierte Film- und Theaterwissenschaft, volontierte als Journalist bei einer Tageszeitung und war Redakteur, bevor er sich 1995 ganz auf das Schreiben von Büchern verlegte. Er lebt in der Nähe von Köln.Im Aufbau Taschenbuch sind seine Romane "Die Geisterseher" und "Die Winterprinzessin" lieferbar.

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Buch 1: Die Geisterseher



"'Haben Sie ein wenig Geduld. Die Zusammenhänge sind reich an merkwürdigen Verbindungen und höchst delikaten Zutaten.'" // Seite 84

Inhalt: (Amazon.de)
Die Brüder Grimm auf der Jagd nach einem rätselhaften Manuskript. Durch Adelspaläste, finstere Spelunken und unterirdische Tempel führt die rasante Suche nach Schillers geheimnisvollstem Werk. Auf ihrer Spur: skrupellose Geheimbünde, ein wahnsinniger Mörder - und Goethe, der undurchsichtige Dichterfürst. Ein phantastischer Abenteuerroman vom preisgekrönten Bestsellerautor Kai Meyer.
Die Welt Weimar im Jahr 1805. Die Brüder Grimm machen ihre Aufwartung, doch finden sie Schiller todkrank vor. Verlegen übergeben sie die Arznei, die Goethe ihnen mitgegeben hat. Der sieche Dichter überlässt ihnen sein letztes Manuskript – doch wenig später wird ihnen diese Kostbarkeit gestohlen. Gegen ihren Willen geraten sie in eine finstere Verschwörung, in der Goethe, eine seltsame Gräfin, eine Geheimloge und exotische Rauschmittel eine Rolle spielen.


"Die Geisterseher" ist ein historischer Roman, in dem die berühmten Gebrüder Grimm - hier in jungen Jahren - der Spur eines geheimnisvollen Manuskriptes von Friedrich Schiller folgen, das ihnen gestohlen wurde. Dabei geht es jedoch nicht immer mit rechten Dingen zu und die Brüder geraten mehr als einmal in große Gefahr.

An dem Buch gut gefallen hat mir, dass der Autor die damalige Zeit sehr überzeugend zum Leben erweckt. Der Ich-Erzähler, Wilhelm Grimm, schildert die Geschehnisse in einer etwas altmodisch anmutenden Sprache, die gut zum 19. Jahrhundert und auch dem Intellekt und Können seiner Person passt. Kleine Anmerkungen des Erzählers, dass er sich über gewisse Begebenheiten gerne ausschweigen möchte, verstärkten den Eindruck, dass eine reale Person die Ereignisse zusammenfasst, noch. Das hat auf jeden Fall dazu beigetragen, mich in die Geschichte hineinzuversetzen, da sie so gleich authentischer wirkte. Auch mit den historischen Figuren selbst ist Meyer gut umgegangen; zwar nimmt er sich einige Freiheiten, auf die er auch im Nachwort kurz eingeht, doch die Charaktere sind klar erkennbar und ich fand ihre Interaktionen und Gespräche über Literatur und ähnliche Themen sehr faszinierend. Schön war auch, dass es für mich glaubwürdig wirkte, dass die Gebrüder Grimm versuchen, einen Fall zu lösen; der Autor hat es geschafft, sie so zu involvieren, dass es für mich nachvollziehbar war.

Die Handlung selbst war sehr wendungsreich und es gibt einige falsche Fährten, denen man gemeinsam mit den Protagonisten folgt und die mich alle überzeugt hätten. Die Motivationen verschiedener Charaktere sind unklar und es ist spannend zu versuchen, hinter all die Geheimnisse und Rätsel zu kommen. Allerdings muss ich sagen, dass die Geschichte gegen Ende ein wenig zu verworren war und die eigentliche Auflösung mir zu schnell ging. Ich hätte hier gerne noch mehr Details gehabt und dafür auf die Liebesgeschichte verzichtet, die mich leider nicht richtig überzeugen konnte. Dafür fand ich die Atmosphäre gelungen, die der Autor fast das ganze Buch über aufrecht erhält - obwohl ich "Die Geisterseher" nicht als 'unheimlichen Roman' bezeichnen würde, gibt es doch einige packende, fesselnde und auch etwas gespenstische Szenen.

Von mir bekommt das Buch 3,5/5 Sternen. Es konnte mich von Anfang an fesseln, wurde mir aber nach einer Weile zu unübersichtlich und ich hätte mir gewünscht, dass der Schluss ausführlicher behandelt worden wäre. Trotzdem habe ich mich gut unterhalten.

Buch 2: Die Winterprinzessin




"Ich fragte mich, ob all das wirklich Zufall war: die Prinzessin, die beiden Brüder, der unglückliche Ausgang." // Seite 47

Inhalt: (Amazon.de)
Januar 1813. Am badischen Hof in Karlsruhe geraten die Brüder Grimm in eine bizarre Intrige. Eine Prinzessin aus Indien macht Jagd auf den neugeborenen Sohn des Herzogs – und die Grimms werden Zeugen von Mord und Erpressung. Dezember 1812. Wie ein Flüchtiger reist der vor Moskau geschlagene Napoleon durch Europa. In tiefer Nacht macht er in Weimar Station und sucht Goethe mit einem dringenden Anliegen auf … Wenige Tage später reisen die Brüder Grimm an den Hof zu Karlsruhe – mit einer Empfehlung Goethes in der Tasche. Der Herzog sucht einen Lehrer für sein neugeborenes Kind. Doch in Karlsruhe stoßen sie bald auf schaurige Warnungen. Wer drängt sie, von ihrem Auftrag abzulassen? Was hat es mit dem herzoglichen Sohn auf sich? Als die Brüder der Wahrheit auf den Grund gehen wollen, geraten sie selbst in tödliche Gefahr.


In "Die Winterprinzessin" werden die Gebrüder Grimm wieder in mysteriöse Ereignisse verwickelt, doch dieses Mal geht es um weit mehr als ein Manuskript eines großen Dichters - das neugeborene Kind, das in Gefahr schwebt, könnte eines Tages eine herausragende Rolle in der Geschichte spielen und verschiedene Akteure sind bereit, alles zu tun, um diese Pläne zu verhindern, und schrecken nicht davor zurück, Wilhelm Grimm zu bedrohen, um ihn daran zu hindern, seine Stelle anzutreten.

Wie schon der erste Band ist dieses Buch von Anfang an atmosphärisch dicht und spannend. Der Autor beschreibt die etwas düstere Stimmung sehr gut und es gab erneut fantastisch anmutende Elemente und Momente, die durchaus unheimlich wirkten. Gut gefallen hat mir, dass die Märchen, die die Brüder zusammengetragen und kurz vor Beginn dieser Geschichte veröffentlicht haben, eine Rolle spielen und dass sich eine ganz bestimmte Erzählung, die sie am Anfang hören, durch die ganze Handlung zieht. Es war interessant zu sehen, wie die beiden davon beeinflusst wurden, und da man die Brüder weithin vor allem wegen ihrer Märchensammlung kennt, war es schön, dass diese hier recht wichtig war.

Das Rätsel um das Kind und die damit einhergehende Bedrohung waren gut dargestellt und ich mochte, wie Meyer lange offen gehalten hat, was genau passiert ist und wem die Protagonisten eigentlich vertrauen können. Die Situation war komplex, aber nicht unübersichtlich und mir hat gefallen, wie alle Handlungsstränge am Ende zusammen gelaufen sind und dass der Autor den Leser noch einmal überraschen konnte. Wilhelm und sein Bruder müssen hier wieder einige Abenteuer durchstehen, allerdings muss ich sagen, dass Jacobs Rolle in diesem Band geringer war, als ich erwartet hätte und das war ein bisschen schade. Insgesamt wurde die brüderliche Beziehung der beiden aber sehr schön und komplex dargestellt und ich mochte, dass reale Probleme, die sie hatten, in das Buch eingearbeitet wurden. Die anderen historischen Figuren wurden ebenfalls glaubwürdig integriert.

"Die Winterprinzessin" ist eine sehr interessante Geschichte, die mich von Anfang an fesseln konnte. Die Kritikpunkte, die ich beim ersten Band anzubringen hatte, trafen hier nicht zu, weshalb ich vier Sterne vergebe.

Kennt ihr die beiden Bücher schon?

Wenn ja, wie findet ihr sie?
Habt ein schönes Wochenende :)

Kommentare:

  1. Hallo,

    wahnsinn, wieviel Bücher hat der gute Mann geschrieben? Ich entdecke immer wieder neue.
    Die beiden kannte ich auch noch nicht und sie hören sich echt gut an.

    Liebe Grüße
    Lilly

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    1. Hey,

      laut Wikipedia hat er wirklich SEHR viele Bücher geschrieben^^ Ich habe "Die Winterprinzessin" auch nur zufällig in einer Kiste mit Mängelexemplaren entdeckt und mir dann noch den ersten Band besorgt.
      Die Bücher sind auf jeden Fall interessant und eine unterhaltsame Lektüre :)

      Liebe Grüße,
      Kerstin

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