Dienstag, 5. Dezember 2017

Rezension | "Fighting to be free – Nie so geliebt" von Kirsty Moseley

mtb | Broschiert | 528 Seiten | 12. Juni 2017 | 978-3956496806 | Fighting to be free (#2)

"Ich will das, was zwischen uns ist, nicht zerstören [...] – du hast etwas Besseres verdient als mich –, aber ich kann nicht aufhören, dich zu wollen." // Seite 203


Reihenfolge der »Fighting to be free«-Reihe:

Nie so geliebt (1)
Nie so begehrt (2)

Es ist Jamies letzte Chance auf ein normales Leben. Bisher war seine Existenz bestimmt von Armut und Gewalt. Frisch aus dem Gefängnis entlassen ist er voller guter Vorsätze. Doch so leicht entkommt man seiner Vergangenheit nicht. Dann begegnet er Ellie – und sie verkörpert all das, wonach er sich sehnt. Die Anziehungskraft reißt sie beide mit. Jamie will alles tun, sich ihrer würdig zu erweisen, der Mensch zu werden, den Ellie lieben kann. Aber noch hat er ihr nicht die Wahrheit über seine dunklen Taten gestanden. Sind Ellies Gefühle stark genug, um bei ihm zu bleiben? Bei einem Mann, der das Leben eines anderen auslöschte …

 
Vor dem Lesen des Buches war ich ein bisschen zwiegespalten. Einerseits war ich sehr gespannt darauf, was die Autorin aus der Geschichte machen würde, was der Plot zu bieten hat und ob ich Jamie als Figur mögen würde. Aber andererseits hatte ich auch ein bisschen die Befürchtung, dass mich das Buch nicht würde packen können, Vorurteile zu sehr meine Sicht auf die Geschichte beeinflussen könnten und dass ich den Plot nicht wirklich ernstnehmen würde. All diese Bedenken waren jedoch unnötig, denn die Geschichte in Fighting to be free – Nie so geliebt ist wunderschön erzählt und ist durch die spannenden Momente viel mehr als nur ein einfacher Liebesroman.

Jamie habe ich als Charakter so schnell in mein Herz geschlossen. Ich hätte nicht gedacht, dass das mit seiner Vergangenheit möglich ist, aber wie es eben oft ist, steckt hinter seiner Geschichte wesentlich mehr, als es zuerst den Anschein hat. Das Buch wird in großen Teilen aus seiner Sicht erzählt, was ich von der Autorin super gewählt fand. Denn trotz seiner Vorstrafe und seiner kriminellen Energie, versteht man viele seiner Gedanken sehr gut – auch wenn man als Außenstehender natürlich immer leicht reden hat und sich denkt, das wäre einem niemals passiert und man hätte in seiner Situation auch niemals so gehandelt. Für mich machte dies das Buch nur interessanter und faszinierender: Jamies Wissen, was richtig und was falsch ist, seine Handlungen und der Zwiespalt, in dem der Leser sich befindet. Ich habe Jamie so die Daumen gedrückt, dass er auf dem rechten Weg bleibt, dass er sich nicht unterkriegen lässt. Diese Abwärtsspirale, aus der sich Jamie jedes Mal versucht, herauszukämpfen, diese Altlasten, die man niemals wirklich los wird, alte Kontakte, die man manchmal einfach nochmal braucht und vergangene Gewohnheiten, die gar nicht so vergangen sind. Ich war in vielen Szenen einfach hin und her gerissen; manchmal wollte ich ihn bemitleiden, manchmal aber auch seinen Kopf gegen die nächste Wand donnern.

Auch Ellie hat mir als Charakter sehr gut gefallen, aber meiner Meinung nach ging sie in dem Wirrwarr um Jamie und durch seine starke (bzw. stark gezeichnete) Figur unter. Ihr privilegiertes und sorgenloses Leben, das so aus dem Klappentext herausklingt, wird zwar schon deutlich, vor allem im Kontrast zu Jamies Leben. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sie ihr Leben liebt, als Reiche keine Sorgen und Probleme hat und in ihrer kindlich, naiven Welt einfach zufrieden ist. Ich hätte mir da auch die ein oder andere Sorge gewünscht, das Schattenleben, Ecken und Kanten. Da das gefehlt hat, wirkte Ellie nicht mal annähernd so anziehend, spannend oder einnehmend wie Jamie – sondern teilweise wie ein verwöhntes, kleines, kindliches und unbelastbares Mädchen (auch wenn ich sie die meiste Zeit mochte). 

Die Beziehung der beiden fand ich durchweg sehr süß und authentisch dargestellt. Sie kommt zwar ohne Kitsch und Klischees nicht aus, aber ich fand es schön zu lesen, wie Jamie bei Ellie aufgeht, welche weichen, liebevollen und selbstlosen Seiten er dabei zeigt und wie sehr ihn Ellie seit der ersten Begegnung aus den Socken gehauen hat. Sie kämpfen mit den typischen kleinen Beziehungsproblemen, während Jamie weiterhin seiner Vergangenheit und seinen alten Kontakten erliegt. Diesen Zwiespalt, die Konflikte und Jamies inneren Kampf, abzuschließen, Ellie zu genügen und wieder auf die Beine zu kommen, hat die Autorin sehr schön geschildert und daraus eine super spannende und für den Leser mitfühlende Geschichte entstehen lassen. 

Ebenso wie die Beziehung der beiden finde ich auch den allgemeinen Plot sehr gut ausgearbeitet. Die Liebesgeschichte nimmt schon einen großen Teil des Buches ein, aber es geht auch viel um Jamies eigentliches Leben und die Resozialisierung nach dem Gefängnis. Wie es ihm nach seiner Gefängnisstrafe geht, wie er versucht, im alltäglichen Leben klarzukommen, sich einen Job zu suchen, in einer Wohnung zu leben, Freunde zu finden, auszugehen und sich an das soziale und gesellschaftliche Leben zu gewöhnen und sich darin zu integrieren. Gerade bei Jamie habe ich oft sein eigentliches Alter – 18 Jahre – vergessen, weil er trotz oder gerade wegen seiner 4-jährigen Gefängniszeit viel erwachsener wirkt, als er eigentlich ist. Manchmal wirkte das störend, aber die meiste Zeit konnte ich das ausblenden und mich auf die wichtigen Facetten des Buches und deren Botschaft konzentrieren.

Fighting to be free ist mein erstes Buch der Autorin Kirsty Moseley, weshalb für mich natürlich auch der Schreibstil dieses Mal eine große Rolle gespielt hat. Diesen fand ich sehr angenehm für die Geschichte, so dass ich die zweite Hälfte gut an einem Stück durchlesen konnte. Ich mag es, wie sie zwischen den Perspektiven von Jamie und Ellie hin und her wechselt, aber nie den Fokus verliert und diesen den Leser durch Jamies längere Kapitel auch sehr deutlich macht. Außerdem mag ich die Art und Weise, wie sie mit der Sprache umgeht, wie sie Längen im Plot umgeht und wie sie mich als Leser schlichtweg mit kontroversen Charakteren und einer noch kontroverseren Geschichte begeistern konnte.


Fighting to be free – Nie so geliebt ist für mich ein sehr starkes Buch, dessen kleine Schwächen trotzdem sichtbar sind. Die Geschichte fand ich dennoch wahnsinnig spannend, Jamie als Charakter sehr stark gezeichnet und die Entwicklungen trotz der Vorhersehbarkeit interessant und faszinierend ausgearbeitet. Ich freue mich auf den zweiten Teil.


| Werbung |
Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung:

 



Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Habt ihr Fighting to be free schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch einen schönen Tag!

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Das Urheberrecht des Klappentextes unterliegt dem mtb Verlag.
Das Urheberrecht des Titelbilds unterliegt einzig und allein der Blogredaktion.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen