Samstag, 30. Dezember 2017

Rezension | "Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt" von Mhairi McFarlane

Knaur eBook | eBook | 544 Seiten | 31. März 2017 | B01MTOOFHI
Originaltitel: Who's that Girl

"Wofür mühte sie sich eigentlich ab? Alles, was sie anfasste, ging hoffnungslos daneben." // bei 43%

(Verlagsseite)

Edie findet nichts schlimmer als Hochzeiten. Wenn der Bräutigam dann auch noch ihr Kollege Jack ist, der bis vor wenigen Wochen heftig mit ihr geflirtet hat, will Edie vor allem eins: flüchten. Den ersten Teil der Hochzeits-Feier von Charlotte und Jack steht Edie allerdings tapfer durch. Als sie später in den Park geht, um wenigstens einmal kurz durchzuatmen, steht Jack plötzlich vor ihr und küsst sie. Dummerweise sind sie nicht allein. Charlotte beobachtet die beiden und schon bald droht dieser kleine Moment der Schwäche, Edies ganzes Leben zu zerstören. Der darauf folgende Online-Shitstorm zwingt Edie, ihr Londoner Leben hinter sich zu lassen und Zuflucht bei ihrer Familie in Nottingham zu suchen. Dort läuft es aber auch nicht rund. Denn die Auszeit gewährt Edies Chef ihr nur, wenn sie den derzeit in Nottingham lebenden Schauspieler Elliot Owen trifft - um als Ghostwriterin seine bestseller-verdächtige Biographie zu verfassen. Dummerweise entpuppt sich Elliot nicht als charmanter Star - ganz im Gegenteil. Zurück in die Provinz, Opfer von Online-Mobbing und einem neurotischen Schauspieler ausgesetzt - so hatte Edie sich ihr Leben wirklich nicht vorgestellt!

(Verlagsseite)

Mhairi McFarlane wurde 1976 in Schottland geboren. Ihre geographischen Lebensdaten in Kurzform lauten Falkirk – Afrika – Milton Keynes – Nottingham und entsprechen in etwa dem Weg, den ein Designerkleidungsstück zurücklegt, bevor es in einem Laden zur Ruhe kommt. Mhairis Ruhepol ist Nottingham, wo sie mit einem Mann und einer Katze lebt. Mit ihren bislang erschienenen Romanen "Wir in drei Worten", "Vielleicht mag ich dich morgen" und "Es muss wohl an dir liegen" eroberte Mhairi McFarlane nicht nur die Herzen ihrer Leserinnen im Sturm, sondern auch die vordersten Ränge der Spiegel-Bestsellerliste.


77 Kapitel
Dank



Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt ist mein erster Roman der Autorin Mhairi McFalarne, auch wenn ich schon eine Weile um ihre anderen Werke herumgeschlichen bin (zuletzt sogar zusammen mit Kerstin, als wir in Karlsruhe waren: "Es muss wohl an dir liegen" wäre fast in meinem Einkaufskorb gelandet). Ihre anderen Bücher sind in der Regel ja doch relativ gut bewertet, weswegen ich mich über das kostenlose eBook im Zuge der Jellybooks-Aktion sehr gefreut habe.

Ich finde, die Geschichte des Romans ist unterhaltsam und abwechslungsreich gestaltet, birgt die ein oder andere Wendung und behandelt einige wichtige Facetten des Lebens. Im Vordergrund von Edies Leben stehen dabei verschiedene Stolpersteine, Kummer, Scham und Momente, in denen sie überfordert ist und einfach nicht weiß, wie es weitergehen soll. Meiner Meinung nach hat die Autorin dabei den Plot sehr interessant und humorvoll ausgearbeitet. Gestört hat mich allerdings, dass Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt ungewöhnlich lange braucht, um in die Gänge zu kommen. Der Kuss zwischen Edie und Jack schlägt hohe Wellen, sowohl in Edies Privat-, als auch in ihrem Berufsleben und die Auswirkungen könnten fast nicht verheerender sein. Weswegen sie sich erstmal aus London zurückzieht und sich einem Projekt in ihrer alten Heimat widmet: Elliot Owen. So weit, so gut. Allerdings braucht es dann doch so um die 17 Kapitel, bis der ominöse, im Vorfeld mit Vorurteilen belastete Schauspieler das erste Mal überhaupt auftaucht (und sich dabei gar nicht mal so neurotisch aufführt, wie es im Klappentext dargestellt wird) – und somit Edies Welt komplett auf den Kopf stellt.

Durch diese doch recht lange Einführung lernt man Edie meiner Meinung nach auch eher schleppend kennen. Sie versteckt sich hinter dieser Tragödie, hinter Schuldgefühlen, hinter dem Mobbing und hinter der Flucht aus London, dass ich lange gebraucht habe, um wirklich mit ihr warm zu werden und sie als einen eigenständigen, individuellen Charakter wahrzunehmen. Denn Edie ist nicht so, wie ihre Kollegen und ihre angeblichen Freunde sie hinstellen. Sie ist nicht mal besonders aufreizend oder anmaßend oder hinterhältig. Eigentlich ist sie eine sympathische Frau, die ihr Können durch ihre Unsicherheit zwar stark einschränkt, aber doch im Laufe des Buches und im Laufe der Zeit mit Elliot, beweisen kann, was sie eigentlich auf dem Kasten hat. Und welche Charakterzüge sie ausmachen. Gerade im Umgang mit Elliot oder mit Margot mochte ich sie besonders gerne, weil sie in deren Gegenwart offen und ehrlich war und nur selten ein Blatt vor den Mund genommen hat.

Auch die anderen Figuren haben mir im Großen und Ganzen gefallen. Elliot ist ein toller männlicher Hauptprotagonist, der Edie Paroli bietet, sie neckt und ihr bei ihrem tragischen Leben beisteht – und sich andersrum auch bei seinen Problemen helfen lässt. Beide begegnen sich auf Augenhöhe und haben ausgesprochen witzige und süße Momente, weswegen es mich doch gewundert hat, dass beide so lange auf dem Schlauch standen und umeinander herumgeschlichen sind. Aber auch die anderen Charaktere, wie beispielsweise Edies Freunde Nick und Hannah, ebenso wie ihren Dad und ihren Boss Richard, mochte ich sehr gerne und fand ich auch von der Autorin interessant ausgearbeitet. Allerdings bietet das Buch auch genügend Figuren, die einem richtig auf die Nerven gehen und meiner Meinung nach den Schuss noch nicht gehört haben – aber was soll's. Solche Menschen gibt es nun mal auch im wahren Leben.

Das Ende des Buches ist für mich etwas Besonderes und hätte ich auch in diesem Maße nicht erwartet. Natürlich stehe ich bei den Liebesromanen eher auf die klassischen Happy Ends, aber dieses Ende war überraschend offen sowie interessant zugleich und stürzt den Leser in eine kleine Fantasie-Krise. Als hoffnungslose Romantikerin habe ich mir natürlich mein Happy End vorgestellt und mir dies mit allem möglichen Kitsch ausgemalt ;)

 
Es ist mir sehr schwer gefallen, "Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt" zu bewerten, was zum einen auch daran liegt, dass ich mir das Buch (ironischerweise) in mancherlei Hinsicht anders vorgestellt hatte.

Die Geschichte lässt sich auf jeden Fall gut lesen; der Schreibstil der Autorin ist angenehm und passt zur Handlung. Sie schafft es definitiv, der Ich-Erzählerin Leben einzuhauchen und selbst am Tiefpunkt angekommen ist Edie noch fähig, humorvoll und fast schon zu selbstkritisch davon zu berichten, was ihr passiert. Allerdings ist Edie selbst ein großes Problem, das ich mit dem Buch hatte: es ist mir schwer gefallen, Mitleid mit ihr zu empfinden. Natürlich waren die Reaktionen ihrer Mitmenschen in keiner Weise gerechtfertigt und unglaublich gemein und niederträchtig, doch für meinen Geschmack hat die Protagonistin sich zu sehr selbst als Opfer gesehen. Sie wurde benutzt und hat zu Unrecht die Schuld an allem zugeschoben bekommen, aber trotz allem hat sie Fehler gemacht und für mich sah es lange so aus, als würde sie das nicht wirklich anerkennen. So hat es eine Weile gedauert, bis ich eine Bindung zu ihr hatte und mit ihr mitfühlen konnte. Zum Glück macht sie eine enorme Entwicklung durch und wächst über sich selbst hinaus.

Die Nebenfiguren sind zu großen Teilen ebenfalls nicht sympathisch, doch das war von der Autorin vermutlich auch so gewollt. Es war furchtbar, was sie mit Edie gemacht haben und ich hätte mir mehr als einmal gewünscht, dass sie sich richtig gewehrt hätte, auch wenn ich gut verstehen konnte, wieso ihr das in ihrer Position schwer gefallen ist. Dafür mochte ich ihre beiden besten Freunde sehr gerne, die komplexe Personen sind und bestimmt selbst gut als Hauptcharaktere von Büchern geeignet wären, und auch die Familie von Edie fand ich an sich sympathisch.

Besonders ans Herz gewachsen ist mir allerdings Elliot, was ich anhand der Inhaltsangabe nicht erwartet hätte; er stellt sich als interessanter, liebenswerter Mensch heraus, der zwar einige gravierende Fehler macht, letztlich aber sehr sympathisch ist. Seine Interaktionen mit der Protagonistin waren für mich klar das Highlight des Buches und ich hatte großes Interesse daran zu sehen, wie es mit ihnen weiter geht und was noch passieren wird. Die Entwicklung war hierbei glaubwürdig und mir hat vor allem zugesagt, wie realistisch die Autorin mit den Problemen der beiden umgegangen ist, selbst wenn mir das recht offene Ende nicht unbedingt zugesagt hat.

 
Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt ist ein humorvoller, spritziger Roman, der zwar lange braucht, um richtig in Fahrt zu kommen, aber doch sehr unterhaltsam geschrieben ist. Die Charaktere haben mir im Großen und Ganzen gefallen, ebenso der abwechslungsreiche Plot und das interessant gewählte Ende. Von mir gibt es für dieses Buch eine Leseempfehlung.


Ich schwanke bei der Bewertung zwischen 3 und 3,5 Sternen. Die Geschichte hat mich insgesamt gut unterhalten, sie war schön geschrieben, es gab Humor, Edie wurde mir langsam, aber sicher sympathisch und gerade Elliot fand ich einfach toll. Trotzdem habe ich mich lange schwer getan, mit der Protagonistin mitzufühlen, die Handlung konnte mich erst nach einer Weile richtig packen und ich hätte ein klareres Ende bevorzugt.


WERBUNG
Folgende Links kennzeichnen wir gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung:

Verlagsseite
Verlagsseite der Autorin
Homepage der Autorin (Englisch)

Herzlichen Dank
_________________

... an den Verlag und Jellybooks.de, die das Buch für Testleser zur Verfügung gestellt haben.
Habt ihr schon einmal von dem Buch gehört?
Oder kennt ihr ein anderes Werk der Autorin?
Noch ein schönes Wochenende :)
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Das Urheberrecht des Klappentextes unterliegt dem Verlag.
Das Urheberrecht des Titelbilds unterliegt einzig und allein der Blogredaktion.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen