Dienstag, 17. Juli 2018

Rezension | "Sieben Minuten nach Mitternacht" von Patrick Ness & Siobhan Dowd

Goldmann | Taschenbuch | 180 Seiten | 21. Oktober 2013 | 978-3442479795
Originaltitel: A Monster Calls

"Geschichten sind wilde Wesen, sagte das Monster. Wer weiß, was für Unheil sie anrichten können, wenn man sie loslässt?" // Seite 54

Da ich im Moment leider im Uni-Stress bin, gibt es heute eine alte Rezension :) "Sieben Minuten nach Mitternacht" ist ein unglaublich aufwühlendes Buch, das so intensive Emotionen bei mir ausgelöst hat, dass ich es teilweise gar nicht beenden wollte...

  
(Amazon.de)

Es ist sieben Minuten nach Mitternacht. Wie jede Nacht erwartet Conor den Albtraum, der ihn quält, seit seine Mutter unheilbar an Krebs erkrankt ist. Doch diesmal begegnet er einem Wesen, das seine geheimsten Ängste zu kennen scheint, ein Wesen, das uralt ist und wild und weise. Und schon bald begreift Conor, dass es der einzige Freund ist, der ihm in den Stunden der Not zur Seite steht. Denn er wird zerrissen von der einen Frage, die er nicht einmal zu denken wagt. Darf er seine Mutter, die er über alles liebt, loslassen? Oder muss er es sogar, um nicht selbst verloren zu sein?

(Verlagsseite)

Patrick Ness wuchs in den Vereinigten Staaten und auf Hawaii auf. Seit Ende der 90er-Jahre lebt er in London und ist dort als Literaturkritiker für die Tageszeitung The Guardian tätig. Für seine Jugendbücher wurde er mehrfach ausgezeichnet, er gewann unter anderem den renommierten Costa Children's Book Award und bereits zweimal die Carnegie Medal. Für »Sieben Minuten nach Mitternacht« erhielt er als erster Autor gleichzeitig die Carnegie Medal und den Kate Greenaway Award sowie neben unzähligen anderen Auszeichnungen den Deutschen Jugendliteraturpreis.

(Verlagsseite)

Siobhan Dowd, in London geboren, stammte aus County Waterford, Irland, und verbrachte dort einen großen Teil ihrer Kindheit. Nach der Schulzeit in London studierte sie in Oxford und begann dort als Redakteurin für PEN International und als freischaffende Autorin zu arbeiten. Bereits ihr Debutroman kam auf die Auswahlliste des Deutschen Jugendliteraturpreises, für ihr drittes Jugendbuch wurde sie mit der Carnegie Medal ausgezeichnet. Nach schwerer Krankheit erlag Siobhan Dowd 2007 ihrem Krebsleiden.


"Sieben Minuten nach Mitternacht" erzählt eine sehr unbequeme Geschichte. Man wird mit dem Tod von geliebten Menschen konfrontiert, damit, dass viele Situationen komplexer sind, als man auf den ersten Blick glauben könnte und dass Gefühle durchaus hässlich und zerrissen sein können. Gemeinsam mit dem Protagonisten, einem dreizehnjährigen Jungen namens Conor, wird der Leser gequält, belastet und letztlich bis an die Grenzen getrieben, bis man schreien möchte, dass man nicht mehr kann. Man will vielleicht sogar das Buch beiseite legen, weil die Emotionen so intensiv und belastend sein können, aber letztlich lohnt es sich natürlich, bis zum Ende zu lesen.

Ich habe wirklich mit Conor mitgelitten; die Krankheit seiner Mutter hat ihm sehr zugesetzt und die Menschen in seinem Umfeld haben die Situation ehrlich gesagt nicht besser gemacht. Er hat Mitgefühl bekommen, ja, aber das war nicht, was er gebraucht hätte und die Besuche des Monsters in den Nächten führen ihm das deutlich vor Augen. Er ist hilflos und glaubt, er muss es mit sich selbst ausmachen. Dabei beweist er eine für sein Alter ungeheuerliche Kraft, was einerseits bewundernswert ist, aber andererseits traurig macht, da er sich in seinen jungen Jahren nicht so fühlen müssen sollte. Mit seinen Familienmitgliedern hatte ich ehrlich gesagt große Schwierigkeiten, obwohl es auch wieder verständlich ist, dass sie in ihrem eigenen Schmerz und ihren eigenen Problemen gefangen waren und dachten, sie tun das richtige. Es ist nie leicht zu wissen, wie man damit umgehen soll.

Das Monster, das Conor nachts besucht und ihn mit seinem Alptraum und der Wahrheit seiner Gefühle konfrontieren will, fand ich sehr interessant, und lange undurchschaubar, sodass man sich fragt, wozu es eigentlich da ist. Die Geschichten, die es erzählt, können wirklich zum Nachdenken anregen. Sie zeigen, wie kompliziert etwas scheinbar eindeutiges sein kann, dass man mit Dingen in Berührung kommt, die man vermeiden will, obwohl es nicht geht. Es sind harte, aber wichtige Lektionen, nicht nur für Conor, sondern auch für den Leser und der Autor geht damit gut um. Bei diesem Stoff wäre es leicht gewesen, sentimental und kitschig zu erzählen und das wäre je nachdem nicht einmal schlecht gewesen, doch so ist das Buch keineswegs. Er geht sensibel mit den Themen und mit den zerrissenen, teils furchtbaren Emotionen um, die der Protagonist empfindet, doch auch ziemlich direkt und offen, was gut zur Geschichte gepasst und alles noch irgendwie verstärkt hat, sodass das Ende mich zum Weinen gebracht hat.

Von mir gibt es 4,5 Sterne für eine aufwühlende, nicht immer schöne, aber doch wichtige Erzählung.

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