Freitag, 22. März 2019

Lesung von "Rheinblick" (Brigitte Glaser)


Da ich bereits vor zwei Jahren auf einer Lesung von Brigitte Glaser war und auch ihr neues Buch mir gut gefallen hat (meine Rezension könnt ihr hier nachlesen), war ich sehr gespannt darauf, wie sie "Rheinblick" vorstellen würde.

Zunächst einmal ist mir aufgefallen, dass die Atmosphäre in vielerlei Hinsicht ganz anders war. Die letzte Lesung fand in einer vergleichsweise kleinen Buchhandlung statt, aber dieses Mal waren wir im Bürgersaal der Stadt und dadurch wirkte das ganze auf mich gleich viel förmlicher, auch wenn die Autorin die Stimmung durch ein paar lustige Anekdoten und die Auswahl interessanter Textstellen aufgelockert hat. Zudem gab es am Ende keine Fragerunde, was ich schade fand, doch Glaser hat zwischendurch immer wieder ein paar Kleinigkeiten erzählt, sodass man trotzdem Informationen über ihren Arbeitsprozess und die Entstehung der Geschichte erfahren hat.

Das Buch spielt im Jahr 1972 und die Autorin hat den Abend damit begonnen, dass sie an Ereignisse erinnert hat, die ebenfalls in diesem Jahr passiert sind. Ein Großteil dieser Vorkommnisse war mir bereits ein Begriff, doch es gab ein paar popkulturelle Referenzen, die mir nicht viel gesagt haben - zum Glück konnte meine Begleitperson diese im Flüsterton erklären. Ein Großteil der anwesenden Zuschauer konnte sich aber offensichtlich noch gut an die damalige Zeit erinnern, weshalb die Erzählung um die damalige Wahl für sie greifbarer zu werden schien. Glaser hat es gut geschafft, ihre fiktive Handlung in den realen Kontext einzubetten und diese Verschmelzung ihrem Publikum deutlich werden zu lassen.

Brigitte Glaser hat auch erzählt, dass es für sie immer etwas besonderes ist, hier in der Gegend eine Lesung abzuhalten, weil sie ja hier geboren wurde und aufgewachsen ist. Außerdem hat sie es, obwohl "Rheinblick" in Bonn spielt, geschafft, regionale Bezüge herzustellen; im Lauf des Abends hat sie uns erklärt, sie sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass sie kein Buch schreiben könnte, ohne zumindest eine Figur zu haben, die aus der Region kommt und so ist dann ein Charakter entstanden, der für eine lokale Zeitung arbeitet und aus Bonn berichten soll. Zwei der sieben Szenen, die die Autorin vorgelesen hat, befassten sich mit dieser Figur und mir hat gefallen, dass Glaser ihre Sätze im Dialekt vorgelesen hat.

Generell war die Lesung sehr lebendig und alle Charaktere hatten ihre eigene Stimme, was ich sehr schön fand. Auch die Auswahl der Szenen fand ich gelungen; die wichtigsten Protagonisten und Handlungsstränge wurden vorgestellt und dadurch konnte man, wenn man das Buch noch nicht gelesen hatte, neugierig darauf werden, wie es weiter geht. Dabei half vor allem die letzte ausgewählte Szene, da Glaser an einer spannenden Stelle endete - unter dem Protest ihrer Zuhörer. Meine Begleitperson war danach auf jeden Fall entschlossen, sich das Hörbuch zu besorgen und herauszufinden, wie es weiter geht.

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