Sonntag, 19. November 2017

Rezension | "Liebe findet uns" von J. P. Monninger

Ullstein | eBook | 416 Seiten | 14. Juli 2017 | B07281V37M

"Hat es ihn überhaupt gegeben? [...] Es ist fast so, als hätte er von Anfang an vorgehabt, irgendwann zu verschwinden." // bei 77 Prozent

Liebe sucht, Liebe träumt, Liebe findet uns
Es ist der eine letzte Sommer nach der Uni, bevor das echte Leben beginnt. Heather reist mit ihren zwei besten Freundinnen durch Europa. Sie liest Hemingway, lässt sich durch die Gassen der Altstädte treiben. Dass sie Jack begegnet, hätte sie nicht erwartet. Und schon gar nicht, dass sie sich unsterblich in ihn verliebt. Er folgt Stationen aus dem alten Reisetagebuch seines Großvaters. Es ist sein Ein und Alles, und Jack beginnt die Schätze daraus mit Heather zu teilen. Die beiden besuchen die unglaublichsten Orte und verbringen die schönste Zeit ihres Lebens. Bis Jack völlig unerwartet verschwindet. Heather ist verzweifelt, wütend. Was ist sein Geheimnis? Sie weiß: Sie muss ihn wiederfinden.

 
Liebe findet uns war so oft auf den verschiedensten Blogs zu sehen und so lange in aller Munde, dass ich dieses Buch auch auf jeden Fall haben musste. Ich weiß, die Meinungen zu diesem Werk sind teilweise sehr kontrovers, doch für mich war Liebe findet uns ein sehr authentisches und ansprechendes Lesevergnügen, dessen Kritik ich nicht vollkommen nachvollziehen kann.

Die Geschichte rund um Heather und Jack beginnt sehr besonders, vor allem, weil man bei beiden Hauptprotagonisten direkt einen sehr tiefen Einblick in ihre Figuren und ihr Auftreten erhält. Alleine die Szene, wie die beiden sich kennenlernen, sich gegenseitig provozieren und necken, sich austauschen und näherkommen, fand ich ausgesprochen schön und süß, ohne zu kitschig zu sein. Gewundert hat es mich daher auch überhaupt nicht, dass sie ihre Reise gemeinsam fortsetzen, zusammen erleben, was man nun mal auf einer Europa-Rundreise erlebt und sich treiben lassen von den Eindrücken und Erlebnissen.

Diese Geschichte ist einfach so wundervoll und echt erzählt, dass mich die Emotionen, die tollen und die weniger tollen Momente, die Geheimnisse und die Entwicklung der beiden Charaktere einfach mitgerissen haben. Ich wollte nicht, dass dieses Buch, diese Reise und die Liebe zwischen Jack und Heather jemals enden und sich alles so entwickelt, wie ich es letztlich auch vermutet hatte. Denn leider ist nicht alles so wie es scheint; es steht viel Ungesagtes im Raum, was die Liebe und die Zukunft der beiden erschwert und beides in eine vollkommen andere Richtung bringt, als das der Leser und wohl auch die Figuren selbst gedacht hätten. Auch wenn mich der große Wendepunkt des Plots nicht besonders abgeholt hat – ich hatte mir den Plottwist schon so gedacht – hat das den Emotionen definitiv keinen Abbruch getan. J.P. Monninger überträgt die Gefühle und die Schwere der Plotstimmung mühelos auf den Leser, was ich nur schwer verdauen konnte und was mich dazu gebracht hat, die ein oder andere Träne zu vergießen. Nicht viele Autoren schaffen es, mich so zu berühren und meine Empathie für Romanfiguren bis an die Grenzen zu treiben.

Jack und Heather sind sehr einzigartig, was sie für mich zu etwas Besonderem macht. Heather hat eine anfangs sehr naive Sicht auf die Welt, scheint in ihrem Leben für alles einen Plan zu haben und im Allgemeinen hatte ich doch sehr oft das Gefühl, dass sie Jacks Gedanken nicht wirklich folgen kann oder deren Bedeutung auch nicht wirklich versteht. Zusätzlich reagiert sie oft über und gerade in Streitsituationen hat sie mich sehr an ein Kind erinnert, weil sie alles sehr persönlich nimmt und sich direkt angegriffen fühlt, doch trotz allem ist sie eine herzensgute, sehr sympathische und liebenswürdige junge Frau, die sehr gut zu Jack passt. Ihre Gefühle und ihre Gedanken konnte ich ernst nehmen, die Zwickmühle in ihrem Leben habe ich verstanden, was es mir recht einfach gemacht hat, einen Draht zu ihr aufzubauen und mich an den verschiedenen Stellen mit ihr zu identifizieren. Natürlich hat sie – wie oben schon beschrieben – einige Schwächen und Schwachstellen und auch wenn sie mich damit manchmal fast auf die Palme gebracht hat, machte sie das zu einer Figur mit Ecken und Kanten, zu einer Figure, die man ernstnehmen kann und die dadurch auch viel tiefgründiger und realer erscheint.

Jack dagegen erschien mir doch ganz anders als Heather: viel gefestigter, bedachter, ruhiger und vor allem viel melancholischer. Er machte auf mich den Eindruck, als hinterfrage er Dinge und Tatsachen gerne, gibt sich nicht einfach mit Gegebenem zufrieden, sondern diskutiert und analysiert gerne – auch manchmal auf Heathers Kosten. Er ist ebenso wie sie kein einfacher, unkomplizierter oder leicht zu durchschauender Mensch, hat ebenfalls seine Macken, seine übertriebenen Szenen und erkennt oftmals nicht, wann er eine Grenze überschritten hat. Aber aufgrund seine Humors, seiner gehörigen Portion Selbsvertrauen und seiner Erfahrung wirkte er auch auf mich sehr einnehmend, weswegen ich es doch schade fand, dass er in der Geschichte ein Stück weit untergeht und hinter Heather zurückbleibt. Denn gerade Jack bringt die Spannung in die Geschichte, er bringt die Wendung und seine Auftreten lockert mehrere Situationen auf; was nochmal besonders in den Szenen aufgefallen ist, in denen er nicht anwesend war.

J.P. Monninger erzählt einfach wunderbar! Es ist so schön zu lesen, wie er mit Worten umgeht und wie er aus einer unscheinbaren Liebesgeschichte einen wunderbaren, einzigartigen und emotionalen Roman zaubert. Ich persönlich hätte mir jedoch gewünscht, dass er sich mehr Zeit für das Ende gelassen hätte. Nach der doch eher gemächlich und intensiv erzählten Geschichte wirkte der Schluss sehr überstürzt und abrupt abgehandelt, was ich schade fand und was ich auch besser erwartet hatte. Die Gefühle blieben dabei zwar nicht auf der Strecke und das Ende wirkte auch nicht unglaubwürdig, doch einen intensiveren Abschluss hätte besser zu dem grandiosen Buch gepasst.

J.P. Monninger bietet mit Liebe findet uns einen sehr tollen und atemberaubenden Debütroman, der tiefgründig auf die Liebe zweier Menschen eingeht, die das Leben manchmal auf ganz unterschiedliche Weisen trennt. Der Autor spielt mit den Gefühlen der Figuren und mit denen des Lesers, so dass mich die Geschichte vollkommen eingenommen hat. Das Ende hätte ich mir mehr ausgearbeitet gewünscht und auch von Jack hätte ich gerne noch mehr gelesen, doch trotzdem bleiben weder die Emotionen, noch das Drama auf der Strecke, weswegen das Buch mit Romantik, Tragik und einem ausgesprochen tollen Schreibstil glänzt.


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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Habt ihr Liebe findet uns schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch einen schönen Tag!

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