Montag, 11. Juni 2018

Rezension | "Die rote Königin" von Victoria Aveyard

Carlsen | Hardcover | 512 Seiten | 28. Mai 2015 | 978-3551583260 | Die Farben des Blutes (#1)
Originaltitel: Red Queen (2015)


"Jetzt endlich lerne ich meine Lektion: Jeder kann jeden verraten." // Seite 444


Die Farben des Blutes, Band 1
Der Gesang der Königin / Queen Song (0,5)
Cruel Crown (1,5)
Steel Scars (1,6)
Gläsernes Schwert / Glass Sword (2)
Goldener Käfig / King's Cage (3)
Wütender Sturm / War Storm (4)

Rot oder Silber – Mares Welt wird von der Farbe des Blutes bestimmt. Sie selbst gehört zu den niederen Roten, deren Aufgabe es ist, der Silber-Elite zu dienen. Denn die – und nur die – besitzt übernatürliche Kräfte. Doch als Mare bei ihrer Arbeit in der Sommerresidenz des Königs in Gefahr gerät, geschieht das Unfassbare: Sie, eine Rote, rettet sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten! Um Aufruhr zu vermeiden, wird sie als verschollen geglaubte Silber-Adlige ausgegeben und mit dem jüngsten Prinzen verlobt. Dabei ist es dessen Bruder, der Thronfolger, der Mares Gefühle durcheinander bringt. Doch von jetzt an gelten die Regeln des Hofes, Mare darf sich keine Fehler erlauben. Trotzdem nutzt sie ihre Position, um die aufkeimende Rote Rebellion zu unterstützen. Sie riskiert dabei ihr Leben – und ihr Herz …

Victoria Aveyard wuchs im Osten der USA auf, in einer Kleinstadt in Massachusetts. Von dort zog sie an die Westküste, um in Los Angeles an der University of Southern California Drehbuchschreiben zu studieren. Sie hat ein Faible für Geschichte, für Explosionen und für taffe Heldinnen - und schreibt am liebsten Bücher, in denen sie alles drei kombinieren kann. Außerdem liebt sie Road Trips, Filmegucken in Endlosschleife und das große Rätselraten, wie es bei der Serie "A Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer" weitergeht.



Die rote Königin liegt zugegebenermaßen schon recht lange auf meinem SuB, aber wie bei vielen anderen Büchern auch, die sich durch einen enormen Hype eigentlich nicht umgehen lassen, hatte ich auch hier so meine Befürchtungen, ob mir die Geschichte zusagen würde. Bei dem Auftaktband der "Die Farben des Blutes"-Reihe muss ich sogar dieses Mal sagen, dass sich meine Zweifel bestätigt haben und ich nicht ganz so begeistert war, wie ich es mir erhofft habe.

Die Geschichte fängt meiner Meinung nach sehr stark an und führt perfekt in die Welt von Mare ein. In die verschiedenen Gesellschaftsklassen und -stufen, die Roten und Silbernen, die unterschiedlichen Machtverhältnisse, die Kluft und der Aufbau des Königshauses – darin habe ich mich schnell einlesen können, vor allem durch die Vorgeschichte „Der Gesang der Königin“. Allgemein hat mich das World-Building ausgesprochen überzeugen können. Ich habe mich darin zwar nicht unbedingt wohlgefühlt, allerdings habe ich mich schnell zurechtgefunden, die verschiedenen Strukturen verstanden und somit auch schnell einordnen können, welche Figur dort welchen Stand hat. Dafür ein großes Lob an Victoria Aveyard, denn das hat es mir enorm erleichtert, mich auf dem eigentlichen Plot zu konzentrieren und die Zusammenhänge besser zu verstehen.

Auch der Plot an sich kann definitiv überzeugen. Denn er begeistert mit abwechslungsreichen Szenen, mit toll verarbeiteten Fantasy-Elementen, mit der ständigen Frage, wem man eigentlich vertrauen kann und mit vielen kleinen Wendungen, die ich als Leser nicht erwartet habe. Der Plot ist daher an vielen Stellen sehr unvorhersehbar und komplex, was mich zusätzlich angesprochen hat. Meiner Meinung nach flacht die Geschichte allerdings nach dem tollen Einstieg etwa in der Hälfte des Buches stark ab. Mir war die Erzählweise dort ein bisschen zu zäh und zu langatmig, so dass ich zwar nicht unbedingt den Faden verloren habe, aber ich mir doch gewünscht hätte, mehr abgeholt und unterhalten zu werden. Das Hin und Her zwischen den Prinzen Cal und Maven, die Rebellen, die Macht der Königin über Mare war mir doch zu ausgeschmückt und zu wenig dynamisch.

Mein zweiter Kritikpunkt betrifft Mare, die es mir nicht wirklich einfach gemacht hat. Anfangs habe ich eine starke Verbindung zu ihr aufbauen können und sie hat auch gut in die Geschichte eingeführt. Ihre Stellung als Rote, ihre Eifersucht gegenüber ihrer Schwester und ihre aufopferungsvolle Art in Bezug auf ihren besten Freund ließen sie sympathisch und warmherzig erscheinen. Aber je mehr Zeit sie am Hof verbringt, desto schwerer konnte ich diese Verbindung aufrechterhalten. Mir persönlich hat es da an geradliniger Charakterausarbeitung gefehlt, denn ihr Selbstmitleid und das vollkommene Fernbleiben von Entscheidungsfähigkeit hat mich enorm gestört. Dennoch denke ich, dass Mare das Potenzial hat, eine starke Persönlichkeit zu sein. Gerade am Ende hat mir ihre Selbstkritik gefallen, denn das hat ihr am Schluss nochmal ein bisschen mehr Tiefe verliehen (auch wenn ein bisschen spät!). Vielleicht wird sie das für die Fortsetzung nutzen.



Aufgrund der vielen positiven Meinungen zu "Die rote Königin" war ich sehr gespannt darauf, das Buch zu lesen - und es hat mir gut gefallen.

Die Geschichte ist durchgehend fesselnd. Dies liegt zum einen daran, dass sehr viel passiert und gerade Mare einiges durchleiden und über ihre Grenzen hinaus gehen muss, aber auch daran, dass man nie genau weiß, wem man vertrauen kann. Die Figuren präsentieren ein gewisses Bild von sich, von dem lange nicht klar ist, inwiefern es der Realität entspricht, da es am Hof und in der königlichen Familie Intrigen und Machtspiele gibt und alle ihre eigenen Pläne verfolgen, die oft nicht auf den ersten Blick zu durchschauen sind. Das war interessant und obwohl einige Entwicklungen vorhersehbar waren, hätte es ganz anders kommen können, da Aveyard gut herausgearbeitet hat, dass alle das Potential hatten, um Mare zu verraten oder zu benutzen. Zudem gibt es in den letzten Kapiteln einige Enthüllungen, durch die vorherige Ereignisse in einem anderen Licht betrachtet werden müssen.

Es ist leicht, mit der Protagonistin mitzufühlen, deren Leben plötzlich komplett auf den Kopf gestellt wird. Sie ist willensstark und mutig, befindet sich jedoch in einer Situation, in der für sie alles fremd ist und die ihr einiges abverlangt. Besonders spannend fand ich ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten, die sie eigentlich gar nicht haben sollte, da sie 'nur' eine Rote ist und ich hoffe, dass man im zweiten Band noch mehr darüber erfahren wird.

Auch die gesellschaftliche Kluft zwischen den Roten und Silbernen wurde ausführlich thematisiert und obwohl weitere Einzelheiten interessant gewesen wären, hat die Autorin eindringlich dargestellt, wie unausgewogen die Machtverhältnisse zwischen ihnen sind. Die Ungerechtigkeit des Ganzen wurde mehr als deutlich, sodass die Motivation der Rebellen verständlich war. Ihre Methoden waren dagegen nicht immer die besten und ich mochte, dass sie nicht perfekt waren; alle wichtigen Charaktere, selbst Mare, haben Schwächen, handeln manchmal falsch, treffen Entscheidungen mit unvorhergesehenen Konsequenzen oder machen mehr oder weniger schwerwiegende Fehler, was die Situation komplexer und die Figuren greifbarer macht. Ich bin auf jeden Fall neugierig, wie es im zweiten Band weiter gehen und wie sich der Konflikt entwickeln wird, vor allem nach den Vorkommnissen am Ende des Buches, die einige Möglichkeiten eröffnet haben.

 
Auch wenn mich Die rote Königin nicht in allen Punkten überzeugen konnte, habe ich das Buch doch gerne gelesen, mich gerne mitreißen lassen und es wird mir auch positiv in Erinnerung bleiben. Eine Steigerung im zweiten Band wäre meiner Meinung nach dennoch wünschenswert. Vor allem, weil ich noch viel Potenzial sehe, welches Victoria Aveyard im ersten Teil nicht vollkommen unterbringen konnte. Trotzdem freue ich mich nach diesem Ende sehr auf die Fortsetzung.



"Die rote Königin" bekommt von mir 4 Sterne. Es ist ein packendes Buch, die Charaktere sind gut ausgearbeitet, die Handlung ist interessant und das Ende macht neugierig auf den zweiten Band.

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Kommentare:

  1. Hey ihr beiden :D

    Ich hab das Buch auch schon gelesen und Teil 1 fand ich auch wirklich gut. Mit Mare hatte ich am Anfang auch ein wenig Schwierigkeiten, aber das hat sich schnell gelegt. Band 2 hat mir dann wiederum gar nicht mehr so gut gefallen ... da fand ich den Schwerpunkt falsch gesetzt und Mare konnte mich da gar nicht überzeugen. Deswegen habe ich die Reihe bisher auch noch nicht weitergelesen, weil mir einfach die Motivation gefehlt hat.
    Ich hoffe, dass euch Teil 2 besser gefällt als mir und bin schon gespannt auf eure Meinung :D

    Liebe Grüße und einen schönen Dienstag :D
    Andrea

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    1. Hey,

      schade, dass der zweite Band dir nicht gefallen hat... es ist immer ärgerlich, wenn eine Reihe vielversprechend beginnt, aber dann nicht weiter überzeugen kann. Ich hoffe, Band 3 wird dir dann besser gefallen. Und ich bin auch gespannt, wie uns die Fortsetzung gefallen wird. Bei mir steht es noch nicht im Regal, aber Julia hat es schon auf dem SuB, also mal sehen, wann wir dazu kommen :)

      Danke, dir auch noch einen schönen Tag!
      Liebe Grüße,
      Kerstin

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