Dienstag, 19. März 2019

Rezension | "Spinning Silver" von Naomi Novik

Del Rey | Taschenbuch | 480 Seiten | 10. Juli 2018 | 978-1984817556
deutsch: Das kalte Reich des Silbers

(deutsche Verlagsseite)

Mirjem ist die Tochter eines gutherzigen Pfandleihers, der es nicht über sich bringt, Schulden einzutreiben. Als die Familie deshalb bittere Armut leidet, tritt Mirjem an die Stelle ihres Vaters. Unnachgiebig fordert sie zurück, was ihr zusteht. Sie ist erfolgreich, und bald heißt es, sie könne Silber zu Gold machen. Die Kunde davon dringt bis tief in die Wälder, zum gefürchteten Volk der Staryk – magische Wesen, die mehr aus Eis bestehen als aus Fleisch und Blut. Der König der Staryk entführt sie in sein Reich. Dort soll sie für ihn Silber zu Gold machen. Tut sie das nicht, wird der Staryk sie töten. Doch gleichzeitig versinkt die Menschheit nun in Kälte …

(Amazon.de)

Naomi Novik wurde 1973 in New York geboren und ist mit polnischen Märchen, den Geschichten um die Baba Yaga und den Büchern von J.R.R. Tolkien aufgewachsen. Sie hat englische Literatur studiert, im Bereich IT-Wissenschaften gearbeitet und war außerdem an der Entwicklung von äußerst erfolgreichen Computerspielen beteiligt. Doch dann erkannte Naomi Novik, dass sie viel lieber schreibt als programmiert. So machte sie sich daran, ihren Debüt-Roman zu schreiben, mit dem sie sofort die Herzen von Kritikern und Lesern gleichermaßen eroberte: "Drachenbrut", den ersten Band um die Feuerreiter Seiner Majestät. Naomi Novik lebt mit ihrem Mann und sechs Computern in New York.


25 Kapitel


"Spinning Silver" war mein erstes Buch der Autorin. Da ich Märchenadaptionen sehr gerne lese und wusste, dass die Handlung vage auf der Geschichte um Rumpelstilzchen basiert, war ich wirklich gespannt darauf, wie Novik die Elemente der Erzählung mit ihren eigenen Ideen verknüpfen würde. Zugleich war ich aber auch skeptisch, weil mir bewusst war, dass "Das dunkle Herz des Waldes" - was bei mir noch auf dem SuB liegt - sehr gemischte Kritiken bekommen hatte.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir leider ein wenig schwer gefallen, doch der Schreibstil hat mir von Anfang an sehr zugesagt, da er irgendwie malerisch und trotzdem keineswegs zu ausschweifend ist. Auch die Charaktere waren interessant, aber die ersten Kapitel sind ganz klar eine Hinführung zu der eigentlichen Handlung, weshalb man als Leser mit vielen Informationen konfrontiert wird. Zudem wird das Buch aus verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt, was ich durchaus mochte, weil alle Figuren unterschiedliche Erlebnisse haben und sich ihren eigenen Herausforderungen stellen müssen; es dauerte jedoch ein paar Kapitel, bevor ich die einzelnen Erzählstimmen richtig unterscheiden konnte, da (zumindest in meiner englischen Ausgabe) nur markiert wird, dass die Sicht gewechselt hat, aber nicht, wer nun spricht. Allerdings konnte dies rasch aus dem Inhalt erschlossen werden, weshalb es kein großer Kritikpunkt ist.

Die Atmosphäre des Buches ist weitgehend kühl und teilweise düster, was sehr gut zu den Erlebnissen der Charaktere und dem winterlichen Setting gepasst hat. Generell fand ich das World Building toll; die Welt, in der die Figuren leben, ist keineswegs wunderschön oder friedvoll, doch sie kam mir realistisch vor und ich mochte die vielen kleinen Details, durch die Novik sie lebendig wirken ließ. Es lassen sich auch reale Einflüsse erkennen, beispielsweise darin, wie der Umgang mit Juden oder Pfandleihern, die Geringschätzung von Töchtern seitens einiger Männer sowie die Problematik um Armut und Reichtum thematisiert werden. Hier gibt es ein paar unbequeme Szenen und natürlich war es nicht schön, dass den Protagonisten für sie furchtbare Dinge zugestoßen sind, aber zugleich wird es so für den Leser leichter, mit ihnen zu fühlen und zu leiden.

Positiv zu erwähnen ist auch, dass die drei wichtigsten weiblichen Charaktere, die in vielerlei Hinsicht sehr verschieden sind, sich im Laufe der Geschichte alle weiter entwickeln. Sie müssen oft über sich selbst hinauswachsen, aber ich mochte, wie sie auf ihre ganz eigene Art damit umgegangen sind. Die Nebencharaktere waren ebenfalls gut ausgearbeitet und es gab sehr interessante Vorkommnisse, die gelungen miteinander verknüpft wurden. Ich fand zwar ein paar Kapitel etwas zäh und nicht alle Handlungsstränge konnten mich gleichermaßen fesseln, doch gerade in der zweiten Hälfte des Buches kommt durchaus Spannung auf und es gab einige unvorhersehbare Wendungen. Zuvor hätte ich "Spinning Silver" eher mit 3,5 Sternen bewertet, so sind es dann 4 geworden.

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– Leseprobe
Habt ihr das Buch bereits gelesen
und wenn ja, hat es euch gefallen?
Noch einen schönen Abend :)

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Das Urheberrecht der Inhaltsangabe und des Covers unterliegt dem Verlag.

Kommentare:

  1. Hallo Kerstin,
    ich habe ca. 330 Seiten gelesen und das Buch dann abgebrochen. Es hat mir eigentlich wirklich gut gefallen. Ich mochte auch den Schreibstil, und fand die Handlung spannend.
    Auch in der deutschen Fassung wird nicht erwähnt, wer gerade erzählt. Die Perspektivwechsel werden nur mit Sternen markiert, und das hat mich ziemlich verwirrt. Irgendwann hatte ich dann keine Lust mehr, erst herauszufinden, wen ich da gerade begleite.
    Mir hätte schon gereicht, wenn zu Beginn nur der Name der Person steht. Ich hätte es gerne beendet. Im Moment habe ich es an eine Freundin verliehen. Sie schreibt mit Bleistift auf, welcher Charakter gerade spricht. Vielleicht werde ich es dann nochmal versuchen, sobald ich es zurückhabe. :-)
    Liebe Grüße
    Tinette

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  2. Liebe Kerstin.

    Eine sehr schöne Rezension, die mir auch Hoffnung macht. Denn ich lese aktuell das Buch und wünsche mir noch etwas mehr Spannung und dass ich auch mehr in die Geschichte eintauchen kann. Ich hoffe es kann mich gegen Ende auch noch mehr Fesseln.

    Liebe Grüße
    Jenny

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