Freitag, 16. November 2018

Rezension | "Tausend kleine Lügen" von Liane Moriarty

Bastei Lübbe | eBook | 496 Seiten | 14. Januar 2016 | B00XCN39NM

 

Jane flieht vor ihrer Vergangenheit. Sie hat es seit der Geburt ihres Sohnes vor fünf Jahren nirgendwo länger ausgehalten. Nun ist sie im idyllischen australischen Küstenstädtchen Pirriwee gestrandet und hat das Gefühl, endlich angekommen zu sein.

Schnell schließt sie Freundschaft mit der lebhaften Madeline und der wunderschönen Celeste. Doch plötzlich geraten die drei Frauen in den Strudel von dunklen Geheimnissen, Lügen und Intrigen.

Als dann bei einem Elternschulfest ein Mann tödlich verunglückt, stellt sich die Frage: War es ein Unfall oder Mord?

 
"Tausend kleine Lügen" ist mein erstes Buch der Autorin Liane Moriarty und befasst sich mit den drei Vorschulmüttern Madeline, Jane und Celeste. Alle drei haben so ihre verschiedenen Problemchen, finden aber schließlich zueinander und schließen eine Dreier-Freundschaft (zumindest Jane stößt dazu; Madeline und Celeste kennen sich schon eine Weile und sind bereits Freundinnen). Das spannende an diesem Buch ist definitiv der Quizabend, der allerdings nicht so im Vordergrund des Buches steht, wie es der Klappentext hinstellt. Der Quizabend ist zwar der rote Faden in dem Buch, nimmt aber definitiv keinen großen Teil in „Tausend kleine Lügen“ ein. Man weiß relativ schnell, dass sich etwas Schreckliches an diesem Abend zutragen wird und einer der Protagonisten um's Leben kommen wird – doch man weiß nicht, wer oder warum oder unter welchen Umständen. Das bleibt durch das Buch hinweg ein Geheimnis und wird erst in einer der letzten Kapitel aufgelöst.

Mir hat der Aufbau von "Tausend kleine Lügen" trotzdem sehr gut gefallen. Man selbst stellt als Leser andauernd Vermutungen an und mit jedem Kapitel werden neue Informationen geliefert, die diesen Abend in einem neuen Licht erscheinen lassen. Die Geschichte ist wie eine Art Countdown aufgebaut ("Zwei Monate vor dem Quizabend", "Drei Wochen vor dem Quizabend", usw.) und enthält immer mal wieder kleine Statements der verschiedenen Figuren zu den Vorkommnissen an jenem Abend. Es bleibt dem Leser überlassen, mit diesen Statements etwas anzufangen und sie in eine richtige oder sinnvolle Reihenfolge zu bringen. So entsteht nach und nach ein klares Bild davon, was wohl passieren wird, wer beteiligt sein könnte und warum sich dies alles so entwickelt. Im Zusammenhang mit dem Todesfall wird während des ganzen Buches durch kleine Einschübe und Andeutungen die Spannung unglaublich hochgehalten.

Die Spannung während der kleinen Episoden von Celestes, Madelines und Janes Leben hat mich dagegen nicht so wirklich fangen können. Ich finde die Geschichte der drei Damen wirklich ausgesprochen interessant. Mir persönlich war allerdings zu wenig Tempo und Dynamik in der Erzählung, so dass ich mich etwa nach zwei Drittel des Buches anfing zu langweilen. „Tausend kleine Lügen“ hat zwar einen kleinen "Desperate Housewives"-Touch (durch die Hausfrauen-Thematik und das ominöse Geheimnis um den Quizabend), aber im Grunde sind es dann eben doch nur Hausmütter, die mit häuslicher Gewalt (was natürlich nie irgendjemand mitbekommt), mit einer Teenagerin, die unerwartet bei der Mutter auszieht, um beim (in einer neuen Ehe lebenden) Vater zu wohnen, betrügenden Ehemännern, Mobbing in der Schule, Vorschulmütter-Kriegen oder den Hürden einer Alleinerziehenden zu kämpfen haben. Das war mir persönlich stellenweise zu viel aus der Klischee-Kiste gegriffen oder schlichtweg zu vorhersehbar.

Dabei haben mich die verschiedenen Charaktere und die drei Hauptfiguren im Großen und Ganzen überzeugen können. Celeste, Jane und Madeline sind auf ihre jeweils eigene Art und Weise zu bemitleiden und konnten mich aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit meist ganz gut unterhalten. Denn Jane ist die Stille und Unsichere, Celeste die Perfekte und Reiche und Madeline die „Normale“ und immer auf Krawall aus. Aber identifizieren konnte ich mich mit ihnen nicht und auch eine Charakterentwicklung konnte ich nicht feststellen. Jane versucht zwar hartnäckig, ihre Probleme in den Griff zu bekommen und am Schluss stellt sich bei ihr auch eine Besserung ein, aber so wirklich überzeugt hat mich das am Ende leider nicht.

Dennoch hat mir der Schreibstil ganz gut gefallen. Zum einen sind die Kapitel meistens recht kurz aufgebaut, was den Eindruck vermittelt, dass man bei den 496 Seiten schnell vorankommt. Zum anderen finde ich, dass die Autorin mich gerade am Ende mit ihren Schilderungen doch ganz gut einfangen konnte. Deshalb wird "Tausend kleine Lügen" wohl auch nicht mein letztes Buch der Autorin gewesen sein.

"Tausend kleine Lügen" ist im Grunde ein gut durchdachtes Werk, dessen Spannung sich meiner Meinung allerdings nur alleine durch ein einziges Ereignis aufbaut, das erst ganz am Ende aufgelöst wird. Mir hat einfach die Dynamik in dem Buch gefehlt, was die weiteren Schwächen des Buches nur noch verdeutlich hat. Trotzdem hat mir das Ende gefallen und auch die Buchidee war überzeugend. Ich werde auf jeden Fall noch ein weiteres Buch der Autorin lesen, um mir einen besseren Eindruck von ihr machen zu können.

 

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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Habt ihr Tausend kleine Lügen schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch einen schönen Tag!

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Das Urheberrecht des Klappentextes unterliegt dem Bastei Lübbe Verlag.
Das Urheberrecht des Titelbilds unterliegt einzig und allein der Blogredaktion.

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